EINHORNRAP IST FÜNFT BESTES MUSIKALBUM 2016! (Siegessäule)

Im Jahresrückblick der Siegessäule (Dezember-Ausgabe) wurde mein neues Album ‚Einhornrap‘ unter die 5 besten Musikalben 2016 gewählt! Nach Größen wie David Bowie und Beyoncé. Ich bin so stolz! Genauer gesagt ist Einhornrap Platz 5, aber immerhin :-) Ich fühle mich sehr wertgeschätzt und das tut nach so vielen blöden Kommentaren einfach nur gut!
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IM FEHRNSEHEN

IM RADIO

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HIER EINIGE PRSSELINKS: WEITER UNTEN GIBTS INTERVIEWS, REVIEWS, FEHRNSEH- UND RADIO BEITRÄGE

Radio:
http://www.freie-radios.net/79016 (Interview im Transgender Radio)
http://www.freefm.de/node/24107
http://www.freefm.de/musik/platte-der-woche/einhornrap-kw34-2208-28082016
http://www.freefm.de/
einsätze von FaulenzA ft. Jennifer Gegenläufer – Werdet Autonome Mäuse auf Campus Radio Bielefeld
http://www.radiohertz.de Unregelmäßiges Airplay – http://www.hertz879.de/
www.radio-r.de, Radio Rüsselsheim: Sendung: Die Bärenstunde, 19.08.2016, Uhrzeit : 17.00 – 18.00 Uhr, Moderator und Musik- Zusammenstellung: Norbert Sonderfeld Einhornrap
http://ottic-fm.de/otticfm-playlist-mailing-06-072016/ (unter Punkt Album)
http://reportage.einslive.de/plan-b-homophobie-im-deutschrap#20303
FaulenzA @ Radio wartburg (Album Vorstellung)
Gelungens Album .. wird Platte der Woche bei free FM in Ulm
FaulenzA mit Freepicks Abhörliste KW 27 des Radio hsf Ilmenau
Print:
Interview und Review im WILD MAGAZIN (köln)
Interview in der TAZ 3.8.17: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5388649&s=FaulenzA/

Online:
http://www.blu.fm/blu/kultur/faulenza-trans-female-rapperin/ (wird auch im Print magazin sein!!!)
http://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/2874-faulenza-im-interview-cismenschen-koennen-nicht-wissen-wie-eine-transweibliche-sozialisati.html (auch im Print der Siegesäule Berlin)
http://www.dasfachblatt.de/neuerscheinung/faulenza.html
http://www.cityguide-rhein-neckar.de/einhornrap/
http://www.underdog-fanzine.de/2016/08/16/faulenza-einhornrap/
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1020675.faulenza-im-monarch.html
https://transsexuelle-aufklaerung-tut-not.de/faulenza-im-interview/
http://freshguideberlin.de/
http://freshguideberlin.de/musik_reviews/faulenza-einhornrap-springstoff
http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2016-08/mein-plattenschrank-mit-faulenza/
http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/
http://www.cdtests.de/einhornrap-von-faulenza-2016/
http://www.testmania.de/einhornrap-von-faulenza-2016/
http://www.queer.de/detail.php?article_id=26830

TV / Youtube:
TV Berlin, 06.08.16: https://www.youtube.com/watch?v=nHHx79n1FXc
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RBB Web-Doku „Zwischen den Geschlechtern“: http://webdoku.rbb-online.de/zwischen-den-geschlechtern#710

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Buchrezension ‚Support your sisters not your cisters‘ in UNDERDOG FANZINE #53 Juni 2017

https://www.underdog-fanzine.de/2017/06/15/support-your-sisters-not-you-cisters/

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INTERVIEW IN SIEGESSÄULE Mai 2017

https://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3282-body-bilder-die-neue-siegessaeule-ist-da.html
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INTERVIEW in TAZ*die tageszeitung

08.03.17 Sonderseiten ‚Frauentaz‘ (Protokoll Marlene Halser)

ganzer Artikel ‚Auch Diskriminierung ist Vielfältig‘ hier:
https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5388649&s=FaulenzA/

Ich freue mich sehr dass ich für dieses Interview im Rahmen der ‚frauentaz‘ Sonderseiten gefragt wurde. In diesem Beitrag zum rauen*kampftag möchte die taz der Diversität der feministischen Szene Raum geben und unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen lassen. Vielen Dank an Marlene Halser (Protokoll) und an taz! Und an euch fürs lesen :-)

Dass Rechtspopulist_innen überall stärker werden, macht mir große Sorgen. Sie verbreiten Rassismus, Sexismus und Hass auf alles, was
anders ist. Trans*feindliche und homo-feindliche Positionen werden immer selbstbewusster vertreten. Den Hass, der so angestachelt wird, kriege ich andauernd auf der Straße mit. Oft erkennen Leute, dass ich keine cis*Frau bin und lesen mich als trans*Frau, schwulen Mann und_oder Tunte. So passiert es häufig, dass mir Menschen etwas Unfreundliches hinterher rufen, sich über mich lustig machen. Auch bin ich schon mehrfach bedroht oder begrapscht worden. Sowas macht mich jedes Mal wieder völlig fertig. Ähnliche Erfahrungen machen viele diskriminierte Personen und ich nehme in der trans*Community und der
Anti-Rassismus-Bewegung viel Angst vor der Zukunft war.

Als trans*Frau passe ich nicht in Geschlechterrollenerwartungen oder Körpernormen. Die feministische Szene bietet mir da eine Community, die mir Halt gibt.
Hier kann ich mich weiterentwickeln und habe viel über Unterdrückungsmechanismen und andere Diskriminierungsformen, aber auch über Privilegien gelernt. Immer mehr Feminist_innen haben auch auf dem Schirm, dass es trans*Frauen gibt und dass diese ebenso von Sexismus und Patriarchat betroffen sind. Leider ist es oft aber immer noch so, dass ich mich als trans*Frau nicht mitgedacht fühle. Gerade dann, wenn
Körperlichkeit thematisiert wird.

Oft wird davon ausgegangen, dass alle Frauen eine Vulva und Brüste hätten und menstruieren. Auf die Weise wird auch eine feministische Gemeinschaft konstruiert. ‚Wer da nicht dazugehört ist klar. Auf Events gibt es „Vulva-Kuscheltier basteln“, eine Ausstellung von Menstruationsblut-Kunst und Workshops über „Frauenkörper“, die nur cis*Körper zeigen. Empowerment zum Thema Körperlichkeit finde ich sehr wichtig, auch die Thematisierung von Menstruation. Das Ziel von feministischem Empowerment ist aber meiner Meinung nach verfehlt, wenn dadurch Weiblichkeiten diskriminiert
werden, die nicht der Norm entsprechen. Da finde ich es wichtig, zu sehen, dass es Frauen mit unterschiedlichen Körpern gibt. Und Man muss
nicht-binäre trans*Personen und inter*Menschen mitdenken. Ich würde mir wünschen, dass trans*Weiblichkeiten als selbstverständlicher Teil des
Feminismus akzeptiert werden.

Damit eine freie Gesellschaft entsteht und vor rechten Einflüssen geschützt bleibt, müssen wir miteinander reden und uns gegenseitig
zuhören. Wir müssen es wagen, Diskriminierungen anzusprechen, diese in Solidarität miteinander kritisieren, voneinander lernen und uns die
eigenen Privilegien bewusst machen. Lasst uns Schönes kreieren, über Träume sprechen und einander gut tun!
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REZNSION MEINES BUCHES IN DER ‚BRAV_A‘

http://brava.blogsport.de/2017/03/18/rezension-support-your-sisters-not-your-cisters/

Rezension: Support your Sisters not your Cisters
18. März 2017 in Allgemein
zuerst veröffentlicht in der Brav_a #8 im Oktober 2016

Die Sängerin, Autorin und Bildungsarbeiterin FaulenzA hat uns im April diesen Jahres angeschrieben, ob wir ihr Buch rezensieren können, das im März 2017 erscheinen wird. Das haben wir natürlich gerne gemacht. Mehr als vier Monate musste FaulenzA dann auf unseren ersten Textentwurf warten. Der war größtenteils positiv, aber ein paar kleine Kritikpunkte hatten wir. Die sind nun in der fertigen Rezension nicht mehr da, denn FaulenzA hat in einer freundlichen E-Mail-Diskussion (ja, das gibt es! ;) ) gesehen, was wir meinten, und die entsprechenden Buchpassagen kurzerhand anders formuliert. Von unserem Text sind also nur die lobenden Worte und eine sehr positive Einstellung gegenüber der Autorin geblieben …

„Support your sisters“ hat einen theoretischen Teil in dem herausgearbeitet wird, was genau Trans*feindlichkeit ist und was diese von anderen Ungleichheitsbehandlungsweisen unterscheidet. Danach werden in einem eher praktischen Teil persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, insbesondere auch in queeren und lesbischen Szenen, beschrieben, bevor am Ende diskutiert wird, wie es anders laufen könnte.
Aus einer subjektiven Perspektive gibt FaulenzA der_m Leser_in einen guten Eindruck davon, wie viel Scheiße sich Trans*frauen in der Welt da draußen, aber auch innerhalb der queer-feministischen Szene täglich reinziehen müssen. Sie fordert Cismenschen dazu auf, sich der eigenen Privilegien klar zu werden und Solidarität zu zeigen. Ergänzt mit eigenen Songtexten, schreibt sie über das Zusammenspiel aus Trans*feindlichkeit, Misogynie (die Abwertung von Frauen), Klassismus und Ableismus. Sie kritisiert die Pathologisierung von Trans*weiblichkeit und zeigt durch Beschreibung von persönlichen Erfahrungen, was für ein entwürdigendes Verfahren Trans*personen durchlaufen müssen, um die Kostenübernahme für eine geschlechtsangleichende OP zu erhalten.

FaulenzA beleuchtet die Auswirkungen von lebenslangen Ausschlusserfahrungen, die ein selbstbewusstes Auftreten erschweren und es so Betroffenen auch in vermeintlichen Safe Spaces schwierig machen können, sich ihren Raum zu nehmen. Hinzu kommt, dass auch queere und feministische Zusammenhänge von Vorurteilen und Herrschaftsstrukturen aus der Normalgesellschaft durchsetzt sind. Wie andere vor ihr schon kritisiert haben, wird auch hier Männlichkeit als stark und positiv betrachtet, während Weiblichkeit abgewertet wird. Und zu Recht kritisiert FaulenzA die Ausschlüsse, die gegen Trans*frauen durch diskriminierende oder schwammige Definierung von vermeintlich antisexistischen und feministischen Schutzräumen ausgesprochen werden.

In der Kritik an der queer-feministischen Szene illustriert das Buch immer wieder die Interessenskonflikte innerhalb dieser sehr heterogenen Menschengruppe. Ein Beispiel ist die Art, wie Menstruation in Form von Workshops, Vorträgen oder Kunst auf queer-feministischen Veranstaltungen oft thematisiert wird. Während es für menstruierende cis-Frauen höchst empowernd sein kann, sich über dieses gesellschaftliche Tabuthema und Tipps gegen Schmerzen auszutauschen, sind die Zielgruppenformulierungen oft verletzend für andere Gruppen. Eine „an Frauen“ gerichtete Veranstaltung übersieht, dass es sowohl trans*-Männer gibt, die menstruieren, als auch Frauen, trans*-Frauen wie cis-Frauen, die nicht menstruieren.

Das Buch verdeutlicht also, dass „die Szene“ eher ein Sammelbecken als ein monolithischer Block ist, in dem sich verschiedene Personen, die auf verschiedene Weise von der Gesellschaft geprägt und meistens schlimm behandelt wurden, wiederfinden und gemeinsame Räume miteinander verhandeln. Dadurch, dass alle Leute die diskriminierenden Gesellschaftsstrukturen noch in sich tragen, ist es leider unmöglich, die Szene als absoluten Safe Space zu etablieren.
Was wir aber etablieren können, ist eine Kultur des Den-anderen-Zuhören und der Empathie, das Sich-selbst-Reflektieren und Kontinuierlich-an-sich-Arbeiten. FaulenzAs Buch ist genau dafür geeignet: Es bildet die Perspektive einer Person ab, die sowohl in der Gesellschaft als auch in der Szene viel zu wenig gehört und berücksichtigt wird. Das sollten wir ändern!

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INTERVIEW AUF SIEGESSAEULE.DE (10.01.17)
http://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3130-support-your-sisters.html?PHPSESSID=a68a38d1a72d8f824e636851872d3a3b

INTERVIEW MIT FAULENZA
„Alle weiblichen Identitäten sollten supportet werden“
Die Musikerin und Trans*aktivistin FaulenzA gibt Workshops zum Thema Trans*misogynie und hat ihr Material inzwischen zu einem Buch ausgearbeitet

10.01.17 – Eigentlich wollte die Rapperin, Liedermacherin und Trans*aktivistin FaulenzA im Sonntagsclub ihr Buch „Support your sisters not your cisters“ vorstellen. Leider hat sich einiges verzögert, das Buch kommt erst im März raus. Doch die Veranstaltung findet trotzdem statt: FaulenzA hält einen Vortrag zum Thema Trans*misogynie, dazu gibt es eine Ausstellung. Im Interview erzählt sie Einzelheiten

FaulenzA, Du bist als Musikerin bekannt, erst vor ein paar Monaten kam dein aktuelles Album „Einhornrap“ heraus (Interview dazu auf SIEGESSÄULE.DE). Nun folgt ein Buch. Wie kam es dazu?
Ich halte schon seit etwa drei Jahren Vorträge über Trans*misogynie, also Feindlichkeit gegenüber Trans*frauen. Mir begegnen immer wieder Beispiele von Diskriminierungen, in der queerfeministischen Szene und überhaupt. Das verarbeite ich – auch in der Hoffnung, dass ich das im Alltag nicht mehr so vielen Leuten einzeln erklären muss. Zum Vortrag wollte ich ein Handout machen, das wurde immer ausführlicher, es kamen immer noch mehr Aspekte dazu. Dann dachte ich, ich mache ein Zine daraus, aber es wurde immer länger. Also habe ich Edition Assemblage gefragt, ob sie das veröffentlichen wollen. Es ist mit den Vorträgen gewachsen, dort kamen viele Anregungen hinzu: Es gab Feedback und interessante Fragen, die mich weitergebracht haben.

Das Buch heißt „Support your Sisters not your Cisters“ – fehlt da nicht ein „just“? Impliziert der Titel nicht den Ausschluss von Cisfrauen?
Es gibt diesen Slogan auch mit „only“ oder „just“, also „Support your Sisters, not only/just your Cisters“. Aber der Spruch hat immer die gleiche Bedeutung: „Sisters“ schließt ja Cisfrauen ein: alle Menschen, die sich als weiblich definieren. Also auch Cisfrauen. Das heißt einfach nur, dass alle weiblichen Identitäten supportet werden sollten. Ich habe das Kürzere genommen, weil es eh ein so langer Buchtitel ist. Die Bedeutung ist aber gleich.

Also geht es im Buch um alle Weiblichkeiten, z.B. auch um Femininitätsfeindlichkeit in der Schwulenszene?
Es geht hauptsächlich um Trans*weiblichkeiten, da ich ja von meiner Person ausgehe und über meine eigenen Erfahrungen schreibe.

Von was für Erfahrungen sprichst du?
Oft wird in der feministischen Szene nicht mitgedacht, dass es nicht nur Cis-Frauen, sondern auch Trans*frauen gibt. Slogans wie „Schwanz ab!“ „Rebellieren statt Epilieren“ „Menstruationsneid“ zeigen nicht viel Trans*sensibilität. Es sollte selbstverständlich sein, dass ein Frauenraum offen für alle Frauen ist. Leider gibt es immer noch Frauenräume, die Trans*frauen offen ausschließen. Und es gibt viele Frauenräume und FrauenLesbenTrans*Inter*-Räume, die zwar offiziell offen sind für Trans*frauen, aber in denen sich viele Trans*frauen nicht wohl fühlen können, weil ein großer Teil der Anwesenden keinen Bock auf sie hat. Trans*frauen sollten als ein selbstverständlicher Teil der feministischen Szene gesehen werden. Ich wünsche mir mehr Offenheit für Trans*frauen und mehr Unterstützung. Das gilt aber genauso für die schwullesbische Szene.

Zum Beispiel?
Letztens habe ich auf einem CSD gespielt, wo fast ausschließlich Männer aufgetreten sind. Die beiden männlichen Moderatoren haben sich bemüht, immer alle LSBTI-Buchstaben zu nennen, trotzdem waren dort hauptsächlich schwule Männer präsent. Das zeigt, dass es männliche Dominanz auch in der queeren Szene gibt. Ich würde mir manchmal wünschen, dass Männer sich etwas mehr zurücknehmen, um auch Raum für weibliche Personen zu lassen. Dass CSDs bunter und diverser sind. Dass es mehr Raum und Sichtbarkeit in der queeren Szene für lesbische, transweibliche und non-binäre Identitäten gibt.

Was zeigt die Ausstellung im Sonntagsclub?
Es ist eine Ausstellung der Illustrationen aus dem Buch, Bilder von trans*weiblichen Personen, die Yori Gagarim gezeichnet hat. Ich kenne Yoris Kunst schon lange, die Comics, Aufnäher, Postkarten und T-Shirts. Es lag für mich nahe, Yori nach Illustrationen zu fragen, aber es war sehr aufregend, weil ich schon so lange Fan war! Yori hat sofort zugesagt und unterschiedliche trans*weibliche Personen gezeichnet, die immer mit einem Zitat aus dem Buch verbunden sind. Das ist eine enorme Bereicherung und bildet die Vielfalt von trans*weiblichen Personen ab.

Wann ist dein nächstes Konzert in Berlin? Gibt es im März dann einen „echten“ Release?
Gerade steht noch kein nächstes Konzert in Berlin fest, Infos gibt es dann auf meiner Website und der Facebook-Seite. Aber im März gibt es eine Buchpräsentation, organisiert vom LesBiTrans-Referat der FU. Man kann das Buch natürlich auch im Buchhandel und beim Verlag direkt vorbestellen.

Interview: Malte Göbel

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Und zwischendrin eine kleine Kurzgeschichte von mir :-)

Ich wache auf und finde mich auf einer Straße in Berlin Kreuzberg. Irgendwas ist anders. Alles scheint irgendwie entschleunigt. Nur wenig Autos sind auf den
Straßen, die Leute scheinen kaum gehetzt wie sie da auf der Straße bummeln. Es ist immer noch alles bunt, aber nicht mehr voll Werbung sondern voll unterschiedlichster Streetart. Die Menschen hier scheinen Spaß dran zu haben ihre Umgebung liebevoll zu gestalten. Ich fühle mich wohl und verbringe einige Zeit damit durch die Gegend zu schlendern und mich treiben zu lassen. Niemand guckt mich blöde an. Keiner drückt mir nen Spruch oder ruft mir hinterher: „Ey bist du ne Frau oder Mann?“. Manche schauen mir sogar bewundernd hinterher, scheinen mich attraktiv zu finden. Eingerastete enge Schönheitsvorstellungen scheinen hier vergessen. So strahlen die Menschen vor selbstbewusster Vielfalt. Ich atme tief ein vor Glück und stelle mir vor, dass in dieser Welt niemand Diskriminierung und Unterdrückung kennt. Ich gehe in den Supermarkt, nehme mir ne Cola und wunder mich, dass es weder Preisschild noch Kasse gibt. Komischer Laden. Aber so praktisch. Kann ich mir ja einfach nehmen, was ich brauche. Gibt ja gar keine Fleischtheke? Na, brauch ich eh nicht. Was ich auch nicht brauche sind Bullen, Soldat_innen, Kontrolleur_innnen…. Keine Spur von ihnen während meines tarumhaften Stadtspaziergangs. Da plötzlich. Ein Regentropfen auf der Nase! Wie, jetzt? Hie regnet es? Ah richtig. Den kann mensch ja nicht abschaffen. (Text: FaulenzA)

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INTERVIEW IN DER „PLASTIC BOMB“ Nummer 97, Winter 2016
(Interview von Lars)

Die Musik von FaulenzA verfolge ich schon recht lange. Angefixt hatte mich ne Freundin mit dem Song der autonomen Maus. Fauli lebte damals noch auf dem Wagenplatz in (Bochum)-LA, aber zog vor einigen Jahrn nach Berlin. Dank Fratzenbuch hatte ich trotzdem immer grob mitbekommen, was sie so gemacht hat, und habe sie zu ihrem neuen Album dann auch direkt wegen einem Interview angehauen. Sie Berlin, ich Ruhrpott, was liegt da näher als sich in Wien zu treffen. Stilecht natürlich in der Rosalila Villa, in der uns eine unfassbar verkaterte Denice empfing. Stellt euch einen lauen Sonntagabend im August vor, wir sitzen im Hof, im Hintergrund hört Ihr Grillen…here we go:

Lars: Die neue Platte ist ja eindeutig professioneller produziert. Wie unterschied sich für dich denn die Arbeit an der neuen Platte? War das anders?

F: Voll! Die ersten beiden CDs hab ich ja größtenteils ganz alleine mit so nem Handaufnahmegerät aufgenommen. Das hatte schon ne gute Qualität und ich konnte dann in Ruhe schön in meinem Bauwagen aufnehmen. Und jetzt hatte ich versucht alleine so Hip-Hop-Aufnahmen zu machen. Aber dann hab ich gemerkt, dass das viel schwieriger ist, dass sich das irgendwie schön anfühlt. Das is nur mit Gitarre und Gesang viel einfacher. Und dann hatte ich eben das Glück, dass das mit Springstoff geklappt hat und die mich dann auch unterstützt haben. Da hab ich letztes Jahr im Januar angefragt und das hat dann auch gleich geklappt. Und über die hab ich dann den Kontakt zu dem Produzenten LeijiONE gehabt, bei dem ich dann voll gute Aufnahmen machen konnte. Von dem sind auch die meisten Beats und der macht das total gut und mit total viel Herz und Engagement.

Lars: Das war also schon ganz anders von der Art aufzunehmen. Wie kam denn der Kontakt und „Wechsel“ zu Springstoff, wobei du ja vorher einfach alles selbst gemacht hast.

F: Genau. Vorher hab ich ohne Label gespielt und nur mit Vernetzung mit anderen Musiker*innen gearbeitet, durch diese Rotzfreche Asphaltkultur zum Beispiel, und ich wollte einfach ein Label haben wo ich Unterstützung bekomm und bessere Aufnahmen machen kann. Und Springstoff kannte ich durch Sookee, weil ich Sookee‘s Musik kannte und wusste dass die bei Springstoff ist. Und so war das das erste Label was ich angefragt habe. Ach nee, s t i m m t gar nich, früher hab ich mal bei Rilrec angefragt.

Lars: Hast du?

F: Jaja, is aber ewig her…

Lars: Kann ich mich schon gar nich mehr dran erinnern

F: Eigentlich war Rilrec das erste Label und Springstoff das zweite. Und dann hat das gleich geklappt und die meinten die hätten mich eh schon auf dem Schirm gehabt und dann kamen wir sofort zusammen.

Lars: Zur Platte: Du hast ja sehr schwere Themen und inhaltlich anstrengende Texte. Ist dir die Heiterkeit der autonomen Maus vergangen?

F: Nee, das würde ich gar nicht mal so sagen, also es kommen schon ernste Themen drin vor und eben auch so Diskriminisierungserfahrungen zum Beispiel, aber ich versuche das schon auch immer mit so ein bisschen Stärke und Witz zu erzählen. Auch wenn ich mit Augenzwinkern über bestimmte Situationen erzähle, wo ich dann eher drüber lache oder so. Also ich bemühe mich schon immer das nicht zu niederschmetternd zu machen, sondern eher dass mensch mit nem guten Gefühl irgendwie raus geht und mensch auch mal zusammen über irgendwas blödes lachen kann und Kraft schöpfen kann daraus. Ich glaube so n bisschen Galgenhumor ist da für mich ganz wichtig um mit solchen Sachen umzugehen. Und manche Themen, wie der Song in dem es um Suizid geht, sind eben dann auch ernste Themen die ich aber auch voll wichtig finde und wo dann eben nicht jeder Text lustig ist.
Aber ich hoffe dass ich das eben trotzdem sensibel rüber gebracht hab, die Themen.

Lars: Du sprichst ja davon wie wichtig sichere Räume sind, kritisierst aber gleichzeitig auch, dass diese oft von CisFrauen dominiert werden und wie Cis-Frauen in diesen Räumen handeln. Wie denkst du, kann Mensch da besser handeln? Ja, ich dachte dabei viel an feministische Räume wo ich mich auch nach meinem Coming Out nich so richtig rein getraut hab. Also auch so FrauenLesbenTransInter-Räume, weil ich immer so das Gefühl hatte ich werd doof angekuckt, die Leute würden denken ich wäre eigentlich ein Mann, sehen mich dann mit Skekpsis oder ignorieren mich oder so. Und da finde ich es wichtig sich mit Transmysogynie auseinander zu setzen. Das ist ein Wort, das beschreibt die Diskriminierung von Trans-Frauen. Und sich damit eben auseinander zu setzen und auch andere Leute aufklären und mit anderen Leuten reden, wenn die Merken dass da Transfrauen
ausgeschlossen oder diskriminiert werden. Und wenn so ein Raum ein FLTI*-Raum oder ein Frauenraum ist, dass das zwar deutlich gemacht wird, aber dass dann nicht Leute
angesprochen werden, nur weil sie nicht in ihr Bild von Frauen passen und weil sie falsch gelesen werden. Also das passiert vielen Transfrauen, aber auch Transmännern, dass sie angesprochen werden „Ey, du bist doch ein Mann, das hier ist ein FLTI-Raum…“ oder so. Ich glaube viel mehr Vorsicht und Achtsamkeit was Trans-Themen angeht fände ich
da wichtig.

Lars: …sich Leute also nicht für Ihre Anwesenheit
rechtfertigen müssen?

F: Ja, wenn einfach deutlich gemacht wird Das ist ein FLTI*-Raum, dann, denke ich, muss mensch einfach darauf vertrauen, dass alle damit umgehen und das dann eben wissen
und eben kommen, wenn die sich davon angesprochen fühlen. Oder mensch sagt ALLEN nochmal an der Türe „Hallo, das ist ein FLTI*- Raum und wenn du dich damit identifizierst
bist du sehr willkommen, oder so. Das muss dann aber auch allen gesagt werden, und nicht nur denen die irgendwie nicht in das Bild passen.

Lars: Du machst Workshops zu Selbstverteidigung/Selbstbehauptung und gegen Transmysogynie, also explizit den Hass gegen Transfrauen. Magst du dazu was erzählen?

F: Ja, genau. Also zu diesem Selbstverteidigungsworkshop: Das war für mich ein wichtiges Thema, weil ich früher als Jugendliche viel mit Mobbing zu tun hatte, also auch in
der Schule viel gemobbt wurde. Und das war dann total wichtig für mich mit Selbstverteidigungstraining anzufangen, weil ich gemerkt habe, dass ich alleine dadurch, dass ich wusste
ich kann mich theoretisch irgendwie wehren, viel selbstbewusster wurde. Und aus dieser Erfahrung heraus mache ich das eben, und hoffe, dass ich davon so n bisschen was
weiter geben kann, dass Leute ein bisschen selbstbewusster durch die Straße gehen können. Und zum TransmysogynieWorkshop: Da versuche ich zu erklären, was es für unterschiedliche Diskriminierungen von Transfrauen gibt und habe dann auch speziell einen Blick auf die feministische Szene und gucke wie da Transfrauen auf unterschiedliche Weise ausgeschlossen werden.

Lars: Die Transmysogynie-Workshops richten sich also eher an Cis-Leute die auf die Problematik sensibilisiert werden sollen?

F: Ja, es ist schon so, dass ich damit Menschen erreichen möchte, die nicht negativ von Transmysogynie betroffen sind, also z.B. Cis-Menschen, oder Trans-männliche Personen.
Dass die sich eben damit auseinander setzen und Anregungen bekommen wie sie da unterstützen oder vielleicht sensibler sein können, aber es sind auch oft transweibliche
Personen da, die dann auch noch total hilfreiche Anregungen geben oder wir auch einfach Erfahrungen austauschen können.

Lars: Wie schätzt du das ein: Ist der Hass gegen Trans-Personen in den letzten Jahren stärker geworden – Mensch liest ja erschreckend viel – oder ist es eher so, dass
es stärker thematisiert und kommuniziert wird und vorher wurde es unter den Teppich gekehrt?

F: Hmm…ich könnte mir schon eher vorstellen, dass es etwas mehr Medienaufmerksamkeit in den letzten Jahre gibt. So vom Bauchgefühl her gesagt. Und sonst kann ich es ja
nur von mir selber sagen, dass ich es früher noch schwerer hatte als ich eben auch noch weniger gutes Passing hatte, und je mehr ich jetzt eben als cis-Frau gelesen werde um
so weniger werde ich aggressiv angemacht auf der Straße oder so … Ich werde leider auch nicht immer auf der Straße als cis-Frau wahrgenommen, aber eben öfter als früher.
Aber das beantwortet ja jetzt nicht direkt deine Frage.

Lars: Dazu passend: Erkläre doch mal unseren Leser*innen den Begriff „Passing“:

F: Oh ja: Das ist ein schwieriger Begriff. der kommt, glaube ich, aus dem englischen und bedeutet „durchgehen als“, und der wird so benutzt: Wenn ich jetzt als Transfrau raus
gehe und Leute erkennen, dass ich eine Frau bin, und denken, dass ich eine Cis-Frau bin, dann sage ich: „ich habe Passing“, oder „ich passe als Frau“. Und wenn ich jetzt als Transfrau
raus gehe und Leute sprechen mich an „Entschuldigung, junger Mann…“ oder „Ey du scheiß Transe“, dann sage ich: „Scheiße, ich hatte grade kein Passing“. Der Begriff wird
aber auch von vielen kritisch gesehen, weil der eigentlich nur so richtig in einer Zweigeschlechtlichkeit greift. Für nicht binäre Tanspersonen, also Personen, die sich weder
als Mann noch als Frau definieren ist dieses Konzept schwierig. Die können dann eben weder als Mann noch als Frau Passing haben. Manche Menschen sagen stattdessen lieber
sowas wie „Ich werde gelesen als…“

Lars: Du hast ja auch einen gewissen Punk-Background und gerade da scheint ja mitunter ein etwas antiquiertes Geschlechter- und Rollenbild verbreitet zu sein. Auf der anderen
Seite gibt sich Punk ja immer als so subversiv. Wie denkst du ist dieser Widerspruch zu erklären?

F: Ich wurde das das letztens schonmal gefragt. Dann habe ich drüber nachgedacht und dachte, dass es im Punk auch nicht schlechter ist als im Rest der Gesellschaft. Aber gut,
eigentlich haben ja viele den Anspruch dass es besser sein sollte. Und da denke ich ist es so wie woanders auch: Es gibt ganz viele coole und achtsame und queere Punks und
solidarische nicht-queere Punks und es gibt eben auch Leute die sich noch gar nicht damit auseinander gesetzt haben und die
sich auch oft blöd verhalten und so. Und ich glaube Punk heißt für viele auch einfach was anderes und viele verbinden damit was unterschiedliches und haben gar nicht so den
politischen Anspruch oder so, könnte ich mir vorstellen. Also für viele ist das eben gar kein Widerspruch, wenn es ihnen eben vorrangig um Musik und Saufen geht, und andere verbinden damit eben was Politisches und Fragen wie „Wie wollen wir miteinander Leben und umgehen“ und so. Und das war natürlich auch für mich immer ein wichtiges Ding von
Punk und der Punkkultur.

Lars: Jetzt hat es dich zum HipHop gezogen – wie kam das?

F: Auf der letzten Platte waren ja auch schon zwei oder drei HipHop-Songs aber eben mit Gitarre eingespielt – einer zum Beispiel mit Lena Störfaktor zusammen – und das ist
auch gar nich so ein Wechsel. Also ich spiel auch weiter so Singer/Songwriter und ich werde auch wieder so ein Album machen. HipHop ist eher sowas, was ich jetzt zusätzlich
mache, und das kam einfach weil sich so Rapper*innen kennengelernt habe die mich total beeindruckt haben, wie z.B. Sookee oder Lena Stoerfktor und das hat mich total
angesprochen – diese tanzbaren Beats und schönen Reime und coolen Texte und dann
hatte ich Bock dazu.

Lars: Ich persönlich finde ja, dass dir das auch besser liegt

F: Mir macht beides Spaß. Ich kann gar nicht sagen, was mir mehr Spaß macht. Weil ich einfach beides total gerne mach.

Lars: Vom Punk zum HipHop – gerade beim HipHop ist das ja noch viel krasser und polarisierender – also auf der einen Seite gibt es den ultra-sexistischen HipHop auf der anderen
Seite eben Zeckenrap. Wie findest du da dein Selbstverständnis im HipHop?

F: Also so tief in der HipHopKultur bin ich ja gar nich drin und auch nie drin gewesen, weil ich ja aus der Punkszene komm. Zum HipHop kam ich eben
eher über feministische Rapper*innen und Zeckenrap. Das war dann eher so die Szene in der ich mich bewege und die ich mag. Und da finde ich es wichtig queere und transThemen
rein zu bringen, weil ich finde dass die noch sehr wenig repräsentiert ist. Eben grade transweibliche, aber auch generell trans-Themen, sind natürlich auch gesamtgesellschaftlich
unterrepräsentiert. Aber eben auch in Zeckenrap-Sachen. Da finde ich es eben wichtig, dass das mehr Leute erreicht. Und ich finde es wichtig, dass ich als TransFrau
selbstbewusst auf der Bühne stehe und vielleicht ein anderes Bild von Transweiblichkeit zeige als das was im Fernsehen so als Exotisches oder Lächerliches zu sehen ist.

Lars: Eine etwas persönliche Frage noch: Du hattest ja nach der ersten Platte dein öffentliches Coming-Out. Und – für meine Wahrnehmung – kurz danach bist du nach
Berlin gezogen. Gab es da einen Zusammenhang? War in Berlin das Leben einfacher oder der Pott zu anstrengend?

F: Ja, das war auf jeden Fall ein wichtiger Grund für mich nach Berlin zu ziehen, weil ich einfach mehr mit Trans-Menschen in meinem Alter zu tun haben wollte. Und in Berlin gibt es
einfach eine größere Trans-Community. und da fühle ich mich jetzt auch total wohl und habe einige sehr nette Leute kennengelernt.

Lars: Du arbeitest gerade an einem Buch oder bist schon fertig damit – magst du dazu noch was erzählen?

F: Sehr gerne! Das Buch ist grade fertig und wird lektoriert und es heißt „Support your Sisters – not your Cisters“. Es handelt auch von Diskriminierung gegen Transfrauen. So ein
bisschen ist das auch aus meinen Vorträgen entstanden, die ich zu dem Thema gemacht hatte und im Buch hatte ich nochmal mehr Gelegenheit mehr persönliche Beispiele zu erzählen
und auch Beispiele die mir so in der Szene begegnet sind, also auch in der feministischen Szene. Wie auf unterschiedliche Weise Transfrauen ausgeschlossen werden
- sowohl ganz offensichtlich, wenn eine Gruppe zum Beispiel sagt: „Unser Frauenraum ist nicht offen für Tansfrauen“, aber auch subtiler wie wir behandelt werden. Und das kommt im Verlag Edition Assemblage im Dezember.

Lars: Möchtest du abschließend noch unseren Leser*innen einen Begriff, den wir jetzt die ganze Zeit benutzt haben erklären? Und zwar dieses „Cis“?

F: Ja, ich finde das ist ein wichtiger Begriff. Ich würde das einfach als das Gegenteil von Trans erklären. Also es gibt Transgender und Cisgender. Und das ist sehr wichtig so
einen Begriff zu haben, so ein Gegenteil, weil viele sagen „Ihr seid Transmenschen, wir sind normal“, oder „du bist eine Transfrau, ich bin eine Biofrau“ oder eine „klassische
Frau“ oder „normale Frau“, und das finde ich halt total scheiße: Und deswegen ist es wichtig so einen Gegenteilbegriff zu haben dass alle „normal“ sind.

Lars: Vielen Dank. Hast du denn noch irgendwelche letzen Worte für dieses Interview?

F: Sehr gerne. Also erstmal hab ich mich total über dieses Interview gefreut und dein Interesse und deine Fragen – gerade von der Plasticbomb. Das war tatsächlich lange eine
sehr wichtige Zeitung für mich, die ich regelmässig gelesen habe. Da habe ich mich sehr geehrt gefühlt für ein Interview gefragt zu werden. Und auch allen Leser*innen vielen
Dank fürs interessierte Lesen.
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INTERVIEW IM UNDERDOG FANZINE #52 (Herbst 2016)

FaulenzA spielt Trans*Pride-HipHop und Singer/Songwriter Musik.

Das aktuelle Album „Einhornrap“(1)entstand in Zusammenarbeit mit dem Produzenten LeijiONE. FaulenzAs illustre Feature-Gäste sind die queer feministische Rapperin Sookee, Carmel Zoum, Msoke aus Zürich, Riva von Anarchist Academy, Lady Lazy und Jennifer Gegenläufer.
FaulenzA ist aber auch eine politische Aktivistin in queeren und linken Bewegungen. Unterstützt durch das Berliner Label „Springstoff“ bietet sie Konzerte sowie Workshops zu den Themen „Selbstbehauptung / Selbstverteidigung“ und „Trans*misogynie“(2)an.
Darüber hinaus hat sie mit „Support your sisters not your cisters“ ein Buch über Diskriminierung gegen trans*Frauen geschrieben. So unterschiedliche Themen sie auch in ihren Liedern aufgreift, geht es FaulenzA in erster Linie darum, dass sich andere in ihren Liedern wiederfinden, sich verstanden fühlen können und daraus etwas ziehen können. Politisches und Privates vermischt sich. Wichtig ist ihr, Mut zu machen, als gewaltaffine Botschaften zu vermitteln.

„Sei du selbst! Gehe deinen Weg! Du bist gut so wie du bist! Und: zusammen sind wir stark!“

Marina, auf deinem aktuellen Album, „Einhornrap“ hast du auch ältere Songs „eingerappt“, so auch „Schönheitsideale“. Thematisch setzt du dich sehr intensiv mit Zweigeschlechtlichkeit auseinander, rappst wie Menschen dich und andere Trans*Frauen fremddefinieren („Alien“). Was bedeutet dir das Album in diesem Kontext: ist das Album ein Akt der Befreiung, diskursorientiert oder ein verbaler Rundumschlag?
Ja, es fühlt sich sehr nach Befreiung an. Ich schreibe ja immer über Themen, die mich sehr beschäftigen. Oft auch über Gefühle, wie Traurigkeit, Hoffnung und Spaß.
Themen wie Zweigeschlechterdenken, Heteronormativität und Geschlechternormen haben mich schon lange beschäftigt, aber ich konnte früher nicht so offen drüber schreiben, weil ich bei vielen Menschen noch nicht als trans*Frau out war. Erst während meiner Arbeit an dem „Glitzerrebellion“-Album habe ich mein öffentliches Coming Out endlich durchgezogen und habe auch ein paar Songs zum Thema Trans* und Homo-Feindlichkeit geschrieben. An dem aktuellen Album „Einhornrap“ habe ich etwa 2 Jahre gearbeitet. In dieser Zeit ist für mich vieles einfacher geworden, weil ich endlich offen als Frau lebe und weil ich offen darüber schreiben und sprechen kann. Das hilft total. Da hat sich lange Jahre viel angestaut und musste nun endlich raus. Und das ist wohl der Grund, warum in diesem Album queere Themen so präsent sind. Mir hat das total viel gegeben darüber zu schreiben und so hoffe ich, dass meine Texte auch andere queere Menschen Kraft geben und andere zum Nachdenken anregt.
Ich würde aber nicht sagen, dass „Einhornrap“ ein Ein-Themen-Album ist, da ich auch viel über andere wichtige Themen rappe, wie z.B. Depression, Suizid, Lovestory und übers Fröhlich-sein und Tanzen. Das Album auf ein Thema zu reduzieren würde ihm deshalb nicht gerecht werden. Dennoch gibt es den Themenschwerpunkt, weshalb ich auch den Titel „Einhornrap“ gewählt habe. Das Einhorn ist ja ein Symbol, was viel von der queeren Szene genutzt wird und steht für mich dafür, dass es viele Identitäten und viele unterschiedliche Menschen gibt auch jenseits von dem was die Zweigeschlechter-Gesellschaft akzeptiert. Wo zum Beispiel die Gesellschaft sagt: „Einhörner gibt’s nicht“, würd‘ ich sagen: „Die gibt’s ja wohl! Es gibt so viele wundervolle Wunderwesen und alle sind normal und zauberhaft so wie sie sind.

Schönheitsideale gab es schon immer. Warum werden deiner Meinung nach besonders Frauen durch Schönheitsideale unsicher gehalten?
Vielleicht, weil Frauen oft sexualisiert werden. Also, dass Frauen oft als Sexobjekte reduziert werden, die sich für Männer schön machen müssen. Dazu gehört auch, dass Frauen sich Mühe geben müssen, besonders schlank zu sein und so. Das Aussehen von Frauen wird auch viel mehr kommentiert und bewertet als das von Männern (z.B. auch von Frauen, die politisch tätig sind, wo aber immer erstmal über Frisur und Kleidung, statt über Positionen berichtet wird). Und Mädchen und Frauen wird viel mehr eingeredet, dass sie nur „etwas wert“ sind, wenn sie attraktiv sind. Der Spruch „das schöne Geschlecht“ z.B. zeigt, wie stark Frauen auf ihr aussehen reduziert werden.
Der Grund dafür ist vielleicht, dass diese Gesellschaft sexistisch ist, und dass Männer hier mehr Macht haben als Frauen. Vielleicht ist es ein Mechanismus um Menschen, in diesem Fall Frauen, klein zu halten, dass sie dazu gedrängt werden, viel Energie in ihr Aussehen zu investieren, statt anderswo mitspielen zu wollen, und dass sie sich oft ungenügend fühlen, weil so unrealistische Anforderungen gestellt werden.

Wann hast du gemerkt, dass du trans bist?
Ich habe mich schon immer als Mädchen gefühlt. Das Wort „Trans“ habe ich aber erst viel später kennengelernt. Aufklärung und Unterstützung für Trans*Kinder und Jugendliche gab es bei uns im Dorf leider gar nicht. Dort habe ich immer nur von anderen zu spüren bekommen, dass ich falsch, komisch und anders bin. Bei Trans*Menschen ist das aber ganz unterschiedlich. Ich bin bei cis-Menschen ja auch manchmal neugierig und würde am liebsten fragen: „Wann hast du gemerkt, dass du cis bist?“ Eine interessante Frage, finde ich.
Für alle, die es nicht wissen: ‚cis‘ ist so was wie das Gegenteil von ‚trans‘. Es ist voll wichtig so ein Wort zu haben, denn sonst sagen viele so was wie: „Ihr seid ‚trans*‘ und wir sind ‚normal‘. Und das ist ja voll der Quatsch.

«Ich mag es auch, im Alltag mit queeren Menschen zu tun zu haben, weil ich mich dann weniger wie ein Alien fühle.»

Kurz nach Veröffentlichung deines ersten Albums hast du dein öffentliches Coming Out als Transfrau gemacht. Was war dafür ausschlaggebend?
Das Coming Out war schon lange überfällig, weil es schon lange sehr schmerzhaft für mich war als Mann gelesen zu werden und körperliche Veränderungen nicht auf den Weg bringen zu können. Ausschlaggebend war mein Umzug auf einen Wagenplatz. Dort und in ihrem Umfeld habe ich neue Freund_Innen kennengelernt die offen für queere Themen waren und bei denen ich Unterstützung bei meinem Coming Out finden konnte. Das war für mich sehr wichtig.

Ist dir es wichtig, sich mit Leuten zusammen zu tun, die intellektuell und menschlich über den Geschlechterstereotypen stehen und suchst du gerne auch die Konfrontation, um gegen virulente Haltungen wie Sexismus, Homophobie und dergleichen vorzugeh‘n?
Mit ‚intellektuell‘ hatte das für mich erstmal nichts zu tun. Aber für mich war es sehr wichtig, andere trans*Menschen und allgemein andere queere Menschen kennenzulernen. Deshalb bin ich auch nach Berlin gezogen, weil es hier eine große Trans*- und queere Community gibt. Ich mag es auch, im Alltag mit queeren Menschen zu tun zu haben, weil ich mich dann weniger wie ein Alien fühle. Außerdem kann ich mich dann ganz gut über Themen wie Diskriminierungserfahrungen, Körperveränderungen und so austauschen. Natürlich können auch Menschen, die sich nicht im queeren Spektrum verorten- sensibel dafür sein, aber es ist für mich auch wichtig- mit Leuten zu reden, die solche Erfahrungen selbst gemacht haben.

Wie kannst du mit deinem Verhalten und Positionen normierte standardisierte Sichtweisen zum Verständnis von Geschlecht verändern?
Ich finde es wichtig, Menschen darin zu unterstützen, sie selbst zu sein, in ihrer Geschlechtsidentität und Sexualität. Ich gebe mir Mühe die Wörter zu respektieren, mit denen Menschen sich und ihren Körper beschreiben und gebe mir auch Mühe die Pronomen zu werden mit denen sich Menschen am wohlsten fühlen. Das kann ’sie‘ oder ‚er‘ sein. Aber es ist auch besonders für Menschen schwierig die sich mit keinem Pronomen wohl fühlen, oder für sich Pronomen wählen wie er_sie und sie_er, ‚then‘, ‚they‘ oder was ganz anderes. Das wird von vielen Leuten nicht akzeptiert, weil sie sich nur Zweigeschlechter-Schubladen vorstellen können und das passt da nicht rein.
Ich hinterfrage selber mein Verhalten und versuche zu keinem Menschen diskriminierend zu sein und bin offen und dankbar für Kritik. Ich finde das ist eine wichtige Grundvoraussetzung.

Neben der Musik bietest du auch Workshops und Vorträge zu den Themen „Trans*misogynie“ und „Selbstverteidigung/Selbstbehauptung“ an. Welche Anregungen und Erkenntnisse aus diesen Denk- und Dialogbewegungen sind dir dabei wichtig und hilfreich?
Ja, zum Thema ‚Trans*misogynie‘, also ‚Diskriminierung‘ von Trans*Frauen habe ich auch ein Buch geschrieben, dass im November im Verlag ‚Edition Assemblage‘ erschienen ist. Es trägt den Titel: ‚Support your sisters, not your cisters‘(3). Ich beschreibe aus meinen persönlichen Erfahrungen die Diskriminierung gegen trans*Frauen und gebe Anregungen für mehr Sensibilität und Support. Ich erkläre Trans*misogynie als ein Zusammenwirken von Feminitätsfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Klassismus und Ableismus und richte meinen Schwerpunkt darauf, wie ich dies auch in feministischer und queerer Szene zu spüren bekomme. Trans*Frauen wird hier oft mit Skepsis, Ablehnung und Unbehagen begegnet. Sie stehen unter dem Druck zu beweisen, dass sie keine Cis-Männer sind, werden oft nicht als selbstverständlicher Teil feministischer Bewegung akzeptiert und ihre Perspektiven nicht gesehen. Manche Frauenräume/FLT*I* Räume schließen ganz offen trans*Frauen aus, in anderen erfahren sie Ausschlüsse auf subtilere Weise.

Zu diesem Thema hältst du auch Vorträge…
Die Vorträge, die ich zu diesem Thema halte, waren auch wichtig für das Buch, weil ich oft hilfreiche Anregungen bekommen habe. In den Vorträgen geht es u.a. um:
• Trans*misogynie als ein Zusammenwirken von verschiedenen Unterdrückungsformen, nämlich: Feminitätsfeindlichkeit (Misogynie), Trans*phobie, Klassismus und Ableismus.
• Trans*misogynie in (queer)feministischer Szene,
• Frauen*Räume /FLT*I*Räume und Ausschlüsse von trans*Frauen
• Das „Sozialisationsargument“, mit dem Ausschlüsse von Trans*Frauen begründet werden
• Trans*gender Day of Remembrance zum Gedenken der ermordeten Trans*menschen (größtenteils trans*Frauen of Colour)
• die diskriminierende Weise, wie im Feminismus manchmal Körperlichkeit thematisiert wird

Auch die Workshops zum Thema Selbstbehauptung/Selbstverteidigung sind mir wichtig. Wir üben selbstbewusstes Auftreten, geschärfte Wahrnehmung, klare Äußerungen, Grenzziehung und gezieltes Wehren.
Wir wollen uns darin bestärken unsere Gefühle wahrzunehmen und ernst zu nehmen.
Wir können kräftig Dampf ablassen und unsere eigene Stärke fühlen, wenn wir gegen Schlagpolster boxen und treten.

Transmenschen, vor allem transweibliche Personen, sind in Deutschland, eigentlich überall in der Welt unverhältnismäßig stark von sexualisierter Gewalt betroffen. Glaubst du, dass das auch ein Grund ist, warum viele Transmenschen in der Gesellschaft untertauchen, anstatt ihr Wunschgeschlecht zu leben?
Am 20.11. ist jedes Jahr der ‚Transgender Day of Remembrance‘(4). Hier wird an alle Trans*Menschen erinnert, die aufgrund von Trans*Feindlichkeit ermordet werden. Viele wissen nicht, dass nach diesen Zählungen, fast alle der ermordeten Trans*Menschen trans*weiblich sind und von ihnen die große Mehrheit Schwarze Trans*Frauen und Trans*Frauen of Colour.
Täter_Innen suchen sich Opfer. Und als Opfer eignen sich für viele Täter_Innen besonders gut Menschen, die gesellschaftlich an den Rand gedrängt werden. Sie sind daher vielleicht weniger selbstbewusst und haben vielleicht weniger Rückhalt durch Familie, vom sozialen Umfeld. Für viele ist es auch schwer, sich an die Polizei zu wenden, weil sie auch dort Diskriminierungen fürchten.
Die Angst vor Gewalterfahrungen schrecken bestimmt viele Trans*Menschen davor ab, sich draußen so zu zeigen, wie sie sich fühlen. Aber auch ohne körperliche Gewalt, einfach
Unverständnis, blöde Sprüche, nicht-Anerkennen, Hass usw., machen es schwer
offen trans* zu sein und bieten den Nährboden für Gewalttaten.

Kann mensch denn einfach ein unerkanntes Leben leben? Hast du dafür Verständnis?
Klar, habe ich dafür Verständnis. Ich hatte auch lange Zeit Angst vor dem Coming Out. Angst davor, Freund_Innen zu verlieren und so. Viele denken aber, dass trans*feindliche Gewalt erst mit dem Coming Out anfängt. Das ist falsch. Denn viele Trans*Menschen erleben schon seid ihr Kindheit und Jugend Ausschlüsse, Diskriminierung, Mobbing und Gewalt, weil sie nicht den Erwartungen entsprechen.
Dann haben viele Trans*Menschen ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihrem Körper. Das macht für viele auch die Pubertät zu einer schwierigen Zeit, wo es oft keine Aufklärung zu Hormonbehandlung und Operationen gibt und auch kein Austausch mit anderen Trans*Jugendlichen. Mit dem Coming Out steht für viele Trans*Menschen dann der Weg zu körperverändernden Maßnahmen offen. Für mich kann ich nur sagen, dass es mir seid meinem Coming Out sehr viel besser geht als vorher. Vielen hilft allein schon die Möglichkeit über Themen zu reden, die sie beschäftigen.

Kannst du das Trans-Sein leichter leben, weil du den öffentlichen Weg gegangen bist?
Ja auf jeden Fall. Jetzt kann ich ganz offen über Themen reden, die mir wichtig sind. Ich habe mir den Mut erkämpft, mich so zu kleiden, wie ich mich mag und das Verhältnis zu meinem Körper wird besser, seit ich Hormone nehme und Operationen machen lasse.

Wie groß schätzt du deinen Einfluss als Künstlerin auf Menschen ein, die in ihrer geschlechtsbezogenen Identifikationsprozesse unentschlossen sind?
Mir selbst hilft Musik oft ganz viel. Es hat mir oft viel Kraft gegeben, wenn ich Lieder gehört oder Texte gelesen habe, in denen ich mich verstanden fühle. Und so hoffe ich natürlich, dass auch meine Musik Menschen Kraft gibt. Queere und Trans*Themen sind leider sehr wenig präsent in den großen Medien. Das finde ich schade. Mir haben deshalb auch positive Vorbilder gefehlt, an denen ich mich orientieren konnte.

Siehst du dich auch als öffentliche Person in einer Vorbildfunktion für andere? Was möchtest du vermitteln?
Für mich wäre es früher voll wichtig gewesen, trans*weibliche Vorbilder in der Öffentlichkeit zu kennen. Vielleicht Musiker_Innen oder Künstler_Innen. Das hätte mir Kraft und Inspiration gegeben. Wenn Trans*Frauen in den Medien waren, wurden sie oft exotisiert und lächerlich dargestellt. Das ist nicht gerade empowernd. Ich habe auch schon immer viel Kraft aus Musik gezogen und mich gefreut, wenn über Themen gesungen wurde, die mich interessieren. Ich glaube, es wäre für viele Menschen sehr wichtig, wenn queere und trans*Themen mehr Raum in der Öffentlichkeit fänden.
Deshalb hoffe ich auch, dass meine Musik einen kleinen Teil dazu beitragen kann. Dass Menschen sich dadurch gestärkt und inspiriert fühlen und auf wichtige Themen aufmerksam gemacht werden. Mir ist es wichtig, als selbstbewusste Trans*Frau auf der Bühne zu stehen und der exotisierenden Darstellung von Trans*Weiblichkeit in den Medien etwas entgegenzusetzen. Wenn ich darin für manche Menschen ein Stück weit vorbildhaft sein kann, würde mich das natürlich freuen.

Warum haben viele Trans*menschen ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihrem Körper?
Das ist bei Trans*Menschen total unterschiedlich. Viele Trans*Menschen kommen ganz gut mit ihrem Körper klar und haben gar nicht den Wunsch Hormone zu nehmen oder sich operieren zu lassen. Das wird oft nicht gesehen. Ich kann da nur für mich sprechen. Ich hatte das Pech, mit dem für mich falschen Körper geboren zu sein. Das ist einfach Pech, dafür kann niemand was. Was aber dann passiert, ist, dass es mir von der Gesellschaft immer und immer wieder reingewürgt wird, dass ich keine richtige Frau wäre, das ich den weiblichen Schönheitsvorstellungen nicht entspreche, dass ich keine Kinder kriegen kann usw.
Das verstärkt natürlich mein Gefühl, fehlerhaft sein.

Im Kontext neuer Medien tun sich weit reichende Möglichkeiten für Prozesse der Identitätsentwicklung auf. Welche wären das deiner Meinung nach?
Ich glaube, es gibt immer mehr Möglichkeiten sich Informationen zu beschaffen und sich auszutauschen. Kontakte knüpfen mit anderen Trans*Menschen und Erfahrungen zu teilen. Da ist sicher auch noch Luft nach oben.

Der Mensch entwickelt seine Identität im Austausch mit anderen und damit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Welche Erwartungen hast du an dein persönliches Umfeld vor und nach dem Coming Out gestellt und welche Auswirkungen hatte das auf dein Selbstwertgefühl?
Also vor dem Coming Out hätte ich mir oft gewünscht, dass Leute so auf der Straße, in der Schule, aber auch im Bekanntenkreis, sich nicht über mich lustig machen, mich nicht ausschließen und mobben, wenn ich nicht ihren Erwartungen an Geschlechternormen entspreche. Auch, das Menschen mich mehr mit ihrem normativen Zweigeschlechter und Hetero-Denken in Ruhe lassen würden. Also, diese Normen, wie ein weiblicher Körper auszusehen hat, dass alle Hetero sind usw.. In der Zeit von meinem Coming Out hätte ich mir von manchen Leuten mehr Unterstützung gewünscht. Da haben einige schon mit viel Skepsis und Abneigung reagiert. Nach dem Motto: „Du willst dich doch nur nicht mit deinen männlichen Privilegien auseinandersetzen! Du willst dich nur in unseren FLT*I* Räumen breit machen“ und so. Von anderen lieben Freund_Innen wurde ich aber großartig unterstützt. Das hat mir sehr geholfen.

Wie bist du mit Ausgrenzungen umgegangen?
Das war oft sehr schmerzhaft für mich. Nach und nach musste ich mich damit abfinden, dass ich manche Freund_Innenschaften und Bekanntschaften verloren habe, und dass ich zu Cliquen nicht mehr dazugehöre. Das war hart. Da blieb mir nur, mich über die Menschen zu freuen, die mir geblieben sind und nach vorne zu sehen. Mir Cliquen und Bekanntenkreise suchen, zu denen ich mich dazugehörig fühle und die mich so mögen wie ich bin.

Hast du das Gefühl, dich ständig für dein Coming out rechtfertigen zu müssen?
Am Anfang musste ich mich unglaublich viel rechtfertigen. Vor allen bei cis_Feministinnen. Da musste ich vielen erstmal beweisen, dass ich kein cis-Mann bin. Dass mein Coming Out keine fixe Idee ist, um ihren FLTI Space nutzen zu können oder so. Deshalb nutzte ich auch nach meinem Coming Out lange Zeit keine FLT*I*Räume. Ich fühlte mich immer unter den Verdacht, dass ich eigentlich ein cis-Mann wäre und auf feministischen Veranstaltungen fühlte ich mich abgelehnt oder ignoriert.

Warum bietet dir Rap bessere Möglichkeiten, sich auszudrücken, als im Punk oder als Singer/Songwriter?
Das würde ich so gar nicht sagen. Ich mache Singer/Songwriter Musik genauso gerne wie Rap. Ich spiele gerne Gitarre, singe gerne und mag schöne gefühlvolle Melodien. An HipHop mag ich gerne tanzbare Beats, und dass mehr Wert aus ausgefeilte Reime und Rhythmen gelegt wird. Auf Konzerte mische ich das auch schon mal. Da fange ich mit ein paar Songs auf der Gitarre an und spiele dann Rap. Je nach Veranstaltungen spiele ich auch schon mal ein reines Singer/Songwriter Konzert oder ein HipHop-Programm. Beides liebe ich total.

«Ich bin genauso streunende Punkerin wie Rapperin.»

Du warst ja zunächst in der Punk-Community unterwegs. Heute fühlst du dich offensichtlicher wohler in der Zeckenrap-Community. Gab es in der Punk-Communtiy zu viele Ambivalenzen, normative Vorgaben, die dich gestört haben?
Nein, dass würde ich nicht sagen. Da habe ich nicht mehr Diskriminierung erlebt, als woanders. Unter Punks gibt es genauso coole und nicht so gute Leute wie unter Rapper_Innen. Mit Punk bin ich aufgewachsen und es ist immer noch ein Teil von mir. Ich bin genauso streunende Punkerin wie Rapperin. Ich find‘ nicht, dass sich das ausschließt.

Inwieweit haben dich RapperInnen wie Sookee dich maßgeblich inspiriert und auch beeinflusst?
Oh ja. Sookee hat mich viel inspiriert und ich feiere ihre Musik schon sehr lange. Rapperinnen wie Sookee und auch Lena Stoehrfaktor haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ich mit HipHop angefangen habe. Ihre Musik hat mir viel Kraft gegeben. Liebste Grüße an beide!

Ein geschlechtliches Positionieren und Verhalten ist ein zentraler Anspruch der Gesellschaft an Individuen. Wie sieht dein Verständnis von Geschlecht aus?
Ich find es nicht gut, dass Geschlecht in unsrer Gesellschaft eine so große Rolle spielt. Also, dass Männer es oft so viel einfacher haben als Frauen. Und dass alle Menschen dazu genötigt werden, sich in Zweigeschlechter-Schubladen einzuordnen. Für so viele Menschen passt das einfach nicht. Dauernd wird Geschlecht abgefragt, in Umkleidekabinen, Sportgruppen, Toiletten, Ausweisen, Formularen, Ämtern und und und. Für viele Menschen ist das ständige Gewalt.
Ich finde es wichtig zu sehen, dass es viel mehr Geschlechtsidentitäten, als Mann und Frau gibt, und dass alle Menschen in ihren Geschlechtsidentitäten akzeptiert werden. Dass niemensch in Geschlechter-Rollen-Erwartungen gedrückt wird, und dass niemensch wegen seinem Geschlecht benachteiligt wird.
Das wäre eine Welt, die ich mir Wünschen würde. Und natürlich auch eine Welt, die frei ist auch von all den anderen Diskriminierungsformen und Machtstrukturen.

http://faulenza.blogsport.de/

Anmerkungen:
(1) http://www.underdog-fanzine.de/2016/08/16/faulenza-einhornrap/
(2) „Trans*misogynie“ meint das Zusammenwirken von Trans*feindlichkeit und „Frauenfeindlichkeit“ (Misogynie).
(3) https://www.edition-assemblage.de/support-your-sisters-not-your-cisters/
(4) https://tdor.info/

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Review von ‚Einornrap‘ im OX Fanzine, Ausgabe ‘ 127 , August / September 2016
http://www.ox-fanzine.de/web/rev/100528/reviews.207.html

Nach den beiden Gitarre-Gesang-Alben „Mäuseanarchy“ und „Glitzerrebellion“ liefert die mittlerweile in Berlin lebende Faulenza ihr erstes Rap-Album ab. Manche der 16 Songs waren bereits auf den anderen Platten und wurden nun in ein neues Gewand gepackt.
Teilweise wurden die Gitarrenspuren beibehalten und ein Beat drüber gelegt, wie beim auch in dieser Version großartigen „Tanzen“ zum Beispiel, dieser Hymne an Freiheit und Selbstbestimmung.
Themen, die hier ohnehin vorherrschend sind, vor allem was Sexualität und Geschlecht betrifft. Denn Faulenza, als Mann geboren, lebt nun als Frau und verarbeitet dies hier mit Hilfe vieler Freundinnen und Freunde.
H.C. Roth© by Ox-Fanzine / Ausgabe #127 (August/September 2016)

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Review zum Album ‚Einhornrap‘ im Underdog Fanzine #52, + 2 Tracks auf CD Beilage.
Die Print-Ausgabe ist schon draußen. Sobald das Review online geht, poste ich es hier.
http://www.underdog-fanzine.de/
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Interview im online Magazin *innenAnsicht (26.09.2016)
http://www.innenansicht-magazin.de/2016/09/25/einladung-statt-kampfansage/

Einladung statt Kampfansage
By Lennart Krotzek 25. September 2016 faulenza, musik, Queer, transfrau
Mit Einhornrap hat die Rapperin FaulenzA gerade ihr drittes Album rausgebracht. Und bald steht schon das nächste Highlight an: Die queere Aktivist*in veröffentlicht im Oktober auch noch ihr erstes Buch, in dem sie sich mit Trans*misogynie auseinandersetzt. Im Gespräch mit *innenAnsicht erzählt FaulenzA über ihr neues Album und ihre Erfahrungen als Transfrau – auch über Ausschlüsse in feministischen Kreisen.
FaulenzAs neues Album Einhornrap ist im September 2016 beim Label Springstoff erschienen.

L: FaulenzA, ich würde Dir gerne ein paar Fragen zu deiner Musik, deinem Aktivismus und deinem Leben als Trans-Frau stellen. Bei der Suche nach Fragen fällt auf, dass diese Themen eigentlich nicht einzeln zu behandeln sind. Deine Musik ist stark mit deinem Leben als Aktivistin und Transfrau verbunden. Kannst Du dir überhaupt vorstellen, unpolitische Musik zu machen?

Ich finde, das ist eine schwierige Frage. Die Frage ist ja: Was ist politisch und was nicht. Ich würde mich als politischen Mensch sehen und schreibe vor allem über die Sachen, die mich gerade beschäftigen und meine Gefühle. Das sind oft Themen die ich schon politisch finde, zum Beispiel, wenn ich über queere Themen schreibe, wie etwa Diskriminierung, aber auch über andere Themen wie Anarchismus oder Grenzen. Ich weiß gar nicht wie ich das trennen kann, wann meine Musik politisch ist und wann nicht.

L:Unter unpolitischer Musik würde ich verstehen: Musik, die keinen Anschluss an größere politische Themen findet. Es gibt ja Musiker*innen, die dafür kritisiert werden, dass sie sehr private Musik machen und sich nicht zu Themen äußern. Deine Antwort lässt eher vermuten, dass du dir nicht vorstellen könntest, unpolitische Musik zu machen.

Ich habe ganz unterschiedliche Themen. In meinen Liedern schreibe ich ja manchmal auch nur über Gefühle wie Traurigkeit und wie ich damit umgehe. Und dann hoffe ich, dass sich andere darin wiederfinden können, sich verstanden fühlen können und daraus etwas ziehen können für sich. Das ist für viele vielleicht kein politisches Thema. Oder wenn ich eine Liebesgeschichte schreibe, dann sind das ja eher private Themen, aber auch das hat ja manchmal was Politisches. Alleine offen über eine queere Liebesgeschichte zu singen . . .

L: Als ich Dich vor einigen Jahren auf der Bühne gesehen habe, warst Du noch einsame Punkerin mit Gitarre und kapitalismuskritischen Texten. Deine Musik ist immer noch kritisch und politisch. Aber das Genre hat sich geändert. Wie ist es dazu gekommen?

Ich würde nicht sagen, dass ich das Genre gewechselt habe. Hip-Hop ist eher dazugekommen. Aber ich mache zusätzlich auch weiter Singer Songwriter Musik. Rap und Singer/Songwriter macht mir einfach beides Spaß. Ich schreibe auch immer mal wieder Musik für Gitarre und Gesang und ich werde auch mal wieder ein Singer Songwriter Album rausbringen. Hip-Hop ist dazugekommen, weil mich andere Rapperinnen inspiriert haben, zum Beispiel Sokee oder Lena Stöhrfaktor, und weil ich für deren Musik Interesse gefunden habe. Ich fand die Beats cool und hatte Lust darauf, zu schreiben. Und ich genieße es auch Hip-Hop zu machen, weil ich dann nur das Mikrofon in der Hand habe und auf der Bühne rumtanzen kann. Mit der Gitarre bin ich immer auf einen Punkt der Bühne fixiert und kann nicht so schön rumtanzen.
Hip-Hop ist ein Genre, das oft mit Frauenfeindlichkeit, Homo- und Transphobie verbunden wird. Kommst du mit dieser Szene überhaupt in Kontakt?
Nein, ich bin ganz wenig in der Mainstream-Hip-Hop-Szene unterwegs und da kenne ich mich auch gar nicht so aus. Ich finde es scheiße, dass es so viel Sexismus und Diskriminierungen im Rap gibt und deswegen finde ich es gut, dass es eine alternative Rapszene gibt, wo es ein Bewusstsein für verschiedene Themen wie Sexismus und Rassismus gibt.

L: Queer.de schreibt zu Deiner Platte: „FaulenzA macht Mut“ Das klingt wie ein großes Kompliment. Auf der anderen Seite hat dein Album aber auch einen pessimistischen Grundton. Du prangerst Missstände an, zeichnest ein eher düsteres Bild unserer Gesellschaft. Gehört es zum Konzept, auf der einen Seite Mut zu machen und auf der anderen Seite klar zu zeigen, was nicht gut läuft?

Ja, so würde ich das beschreiben. Ich habe schon sehr ernste Themen auf meinem Album, wie Diskriminierung. Aber es war mir auch sehr wichtig, die nicht auf eine niederschmetternde Weise zu thematisieren, sondern immer auch mit einem Augenzwinkern und auf positive, Mut machende und bestärkende Weise. Manchmal auch mit Galgenhumor, damit man an der ein oder anderen Stelle auch über einen witzigen Vergleich oder Reim lachen kann. Dass man eher mit dem Gefühl rausgehen kann, wir sind mit viel Scheiße konfrontiert und finden einen Umgang damit. Wir lachen über Leute die scheiße sind. Meine Absicht war es, eher Mut zu machen als niederzuschmettern.

L: Politik gehört zu Deiner Musik. Aber auch jenseits von deinen Songs bist du schon seit Jahren politisch aktiv. Du gibst Workshops zu Selbstverteidigung und – behauptung und zu Diskriminierung gegen Trans*weiblichkeiten. Im Oktober erscheint dein erstes Buch “Support your sisters not your cisters”. Wer sollte das Buch lesen?

Ich würde mir natürlich wünschen, dass es möglichst viele lesen. Das Thema des Buches – Diskriminierung von Transfrauen – ist ein Thema, dass ganz wenig präsent ist innerhalb der Gesellschaft und auch wenig präsent in der queeren und feministischen Szene und da würde ich mir wünschen, dass solche Bücher zu diesem Thema viele Leute erreichen, viele Leute darüber reden und sich darüber austauschen. Das ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt.

L: Sind Dein Buch und deine Songs eine Kampfansage an einen frauenzentrierten Cis-Feminismus?

Ich würde es nicht Kampfansage nennen, sondern es eher als Einladung sehen sich mit Trans*misogynie auseinanderzusetzen.

L: Auch in Deinen Songs kritisierst Du das Misstrauen von Cis-Frauen gegenüber Trans*frauen in geschützten Räumen. Du rapst darüber, dass du dich in diesen Kreisen oft beobachtet und unwohl fühlst und bezeichnest dies als trans*misogyne Praxis. Hat der Feminismus – sofern es diesen im Singular überhaupt gibt – ein generelles Problem mit Transmisogynie?

In der feministischen Szene, in der ich mich bewege, in Deutschland und vor allem Berlin, da erlebe ich immer wieder, dass es Vorbehalte gegenüber Transfrauen und ein schlechtes Bild von Transfrauen und offene Ausschlüsse gibt. Und auf der anderen Seite gibt es auch total viel Unterstützung und Support. Viele Leute bemühen sich, dazu zu lernen und Räume zu gestalten, in denen sich alle wohlfühlen können. Deswegen würde ich nicht sagen, dass das etwas Generelles ist. Ich finde es ist wie überall anders auch: Es gibt Leute die sehr bemüht sind und andere, die ausschließen und diskriminieren.

L: Wenn es selbst die linke und feministische Szene nicht immer schafft, Räume zu schaffen, in denen sich Trans-Personen wohl fühlen, wo findest du diese dann überhaupt?

Das ist eine gute Frage. Es gab auch schon Momente, in denen ich mich unwohl gefühlt und mir genau diese Frage gestellt habe. Wenn ich mich selbst in diesen wenigen feministischen und queeren Räumen, die es gibt, nicht wohlfühlen kann und ich Diskriminierung und Ausschlüsse erlebe, da frage ich mich dann schon: Wo kann ich mich zuhause und zugehörig fühlen? Da hatte ich schon Tiefpunkte und habe das sehr, sehr negativ gesehen und dachte, für mich gibt es keinen Ort, an dem ich mich wohlfühlen kann. Jetzt gerade fühle ich mich ein bisschen optimistischer und habe in Berlin meine Orte gefunden, an denen ich mich ganz wohlfühle. Ich hatte gerade auch schöne Momente auf queeren und feministischen Festivals, wo ich gemerkt habe, dass viele tolle Leute unterwegs sind.

L: Im Lied Schönheitsideal erzählst du von dummen Sprüchen und Grabschereien in deinem Alltag. Kannst du Trends beobachten? Wird das eher weniger oder mehr?
Also wenn ich nur meinen persönlichen Alltag betrachte, dann wird es eher weniger, weil mein Passing einfach besser wird, also dass Menschen nicht erkennen, dass ich trans bin. Früher war das sehr viel schwerer für mich. Bevor ich mit Hormonen angefangen habe und Operationen hatte, wurde ich ganz ganz oft – fast alltäglich – von Leuten auf der Straße beleidigt. Leute haben sich über mich lustig gemacht und es gab auch ein paar bedrohliche Situationen.

L: Wie gehst du damit um?

Ich habe Support gesucht in queeren Gruppen. Es war mir sehr wichtig mit anderen queeren Personen zusammen zu sein und mich darüber auszutauschen. Ich habe viel Selbstverteidigung trainiert. Das ist auch der Grund, wieso ich diese Workshops anbiete, weil das wichtig war, um mich selbstsicher draußen bewegen zu können. Ich habe mir Unterstützung gesucht bei Freund*innen. Ich vermeide es, nachts alleine draußen rumzulaufen und wenn es geht, abends alleine nach Hause zu kommen. Ich freue mich immer, wenn ich mit Leute zusammen von Partys nach Hause gehen kann. Und was vor allem früher wichtig für mich war, ist, dass ich auf öffentliche Verkehrsmittel verzichte und eher mit dem Rad fahre.  Oft wurde ich angesprochen, wenn ich in der Straßenbahn oder im Bus war oder an Haltestellen gewartet habe. Das schränkt mich natürlich ziemlich ein, aber da ist es mir einfach wichtig vorsichtig zu sein und nicht Gefahr zu laufen, Stress zu kriegen. Aber Andere haben vielleicht ganz andere Umgangsweisen damit. Ich kann da nur von mir reden.

L: Aktuell beobachten wir in vielen Ländern ein Erstarken von rechtspopulistischen und rechtsradikalen Parteien und Organisationen. In Deutschland fallen darunter vor allem Pegida und die AfD, aber zum Beispiel auch die Demo für alle. Sie alle eint unter anderem Transphobie und das Festhalten an alten Geschlechterbildern. Werden der Ton und der Umgang in der Debatte rauer?

Ich kriege schon die rassistische, homo- und auch transphobe Hetze der AfD mit. Es macht mir Angst, zu sehen, dass diskriminierender Hass so viel stärker wird und Leute das so offen propagieren.

L: Es wird ja dann Gefährlich, wenn der Ton der politischen Debatte Auswirkungen auf das alltägliche Leben hat. Wenn du also zum Beispiel sagst, dass du nachts nicht allein auf die Straße gehst…

Total! Es hängt auch miteinander zusammen. Wenn große Parteien ihren Hass propagieren, stachelt es bestimmt viele Menschen an, Gewalt zu verüben, rassistische Brandanschläge zu begehen oder queere Menschen zu verprügeln. Das ist schon sehr gefährlich.

L: Abschließende Frage: Was wünschst Du dir im Umgang mit dem Thema Trans*weiblichkeit von der Gesellschaft, und auch ganz speziell von Leuten, die sich als Allies (Verbündete) verstehen?

Ich finde es gut, wenn Leute merken, dass es Menschen gibt, die diskriminierend sind gegenüber Transfrauen und Trans*weiblichkeiten ausschließen. Es ist gut, dass Leute mit denen reden oder Partys boykottieren, Räume nicht nutzen, wenn sie Transfrauen ausschließen oder das thematisieren, kritisieren und ansprechen. Ich freue mich immer, wenn Menschen auf unterschiedlichster Weise solidarisch sind, indem sie Leute über das Thema informieren und etwa Trans*menschen bei Operationen im Krankenhaus unterstützen. Wenn Leute trans*feindliche Flyer oder Broschüren auslegen, dass Leute dann die Personen darauf ansprechen und denen erklären, warum das falsch ist oder vielleicht auch einen Stapel Flyer einfach mal wegschmeißen. Ich finde allein schon mal ganz wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Das Interview führte Lennart Krotzek.
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1LIVE stellt Faulenzas Album „Einhornrap“ vor in ihrer Sendung zu Trans- und Homophobie in deutschem Rap:
http://reportage.einslive.de/plan-b-homophobie-im-deutschrap#20303

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UNDERDOG FANZINE August 2016
FaulenzA – Einhornrap CD & digital
Springstoff
Gleich zu Beginn spricht die Trans*Female Rapperin FaulenzA Klartext, bezieht sich im Song „Schönheitsideale“ ganz allgemein auf Geschlechterrollen und -identitäten und stellt in diesem Zusammenhang sowohl tradierte Vorstellungen der Geschlechterrollen als auch davon sich ablösende Emanzipationsideale und Anerkennungsbestrebungen zur Debatte.Darf ich schön sein wie ich bin? Was ist schön/hässlich überhaupt und wer definiert das? Das heutige Schönheitsideal ist allgegenwärtig. Das Äußere ist fast alles. Und so wird uns ständig suggeriert: Wer nicht aussieht wie eine Barbiepuppe oder ein ausgemergeltes Topmodel, ist hässlich, entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal und hat in unserer Gesellschaft keine Chance glücklich zu werden. FaulenzA braucht zum Tanzen kein Schönheitsideal und sieht sich als Frau, auch „wenn es dein Weltbild nicht erfasst“. Mutig, selbstbewusst und mit einem gesteigerten Selbstwertgefühl findet sich FaulenzA mit dem Determinismus einer biologisierten Gesellschaft nicht ab und positioniert sich gegenüber Fremddefinitionen und Stigmatisierungen mit einer dekonstruktivistischen Attitüde. Was sie braucht ist Glamour, Glitter und Musik. Gerade an diesem Song lässt sich aber auch ihren musikalischen Reifeprozess festmachen. Die Singer/Songwriter-Phase ist einem Zeckenrap gewichen, der einem Paradigemenwechsel, aber auch einer Metamorphose gleicht. Es scheint, als ob FaulenzA sich von anderen ZeckenrapperInnen inspiriert hat und ein musikalisches Feld gefunden, in dem sie zunehmend die Freiheiten, die ihr andere lyrische und literarische Formen beispielsweise in der Slam Poetry bieten, entdeckt und aufgegriffen hat, um sich auszudrücken und zu verwirklichen. Neue Rhythmen, ein anderes thematisches und stilistisches Spektrum befreien sie, was sich wiederum positiv auf ihre beatbasierten Texte auswirkt. FaulenzA nutzt die neuen Wege, um die radikale Gesellschaftskritik, die politischen Dimensionen von Sprache, HipHop in Diskurs zu bringen. Und das macht sie in jedem ihrer Songs deutlich. Einhornrap ist ein sehr persönliches Album, auf dem FaulenzA offen und offensiv ihre Wut, den viel zu lange heruntergeschluckten Ärger Luft zu verschaffen und auf eine konstruktive wie kreative Art und Weise zu kanalisieren. „Ich trau mich raus“. Sie kann jetzt laut und unmissverständlich „Nein“ sagen und hat gegen die feste Rollen-Zuschreibungen und Diskriminierung in der „harten Welt“ auch Angst, dass sie nur verlieren kann. Sie zeigt immer noch leichte Verunsicherungen, aus Angst vor Ausschlüssen, Gewalt und Anfeindungen. Woher bekommen transmenschen die Stärke und Selbstsicherheit, um sich gegen den Mainstream zu stellen? Und woher nehmen sie dann den Mut, auch entsprechend zu handeln und dafür Konflikte in Kauf zu nehmen? Es ist kein leichter Weg, aber „du musst bei dir beginnen, das Glück kommt von innen.“ FaulenzA ist in ihrem Sprech meist unaufgeregt, eintönig und groovt uns einen Sound vor, der abwechslungsreich gestaltet ist und mit DiscoFunk, eingängigen Synthie-Hooks verstärkt wird. Insbesondere durch die Beteiligung und Mitwirkung von Sookee, Carmel Zoum, Msoke aus Zürich, Riva von Anarchist Academy, Lady Lazy und Jennifer Gegenläufer bekommen die Songs noch mal eine ganz besondere Dynamik und Wirkung. Einhornrap ist Selbstermächtigung und liefert empowerndene Momente. FaulenzA liefert dafür eine notwendige Rhetorik, weiterzudenken und macht die Lebensrealitäten von Gewalt erfahrenden Transpersonen sichtbar. Das ist ihre eigene und die spricht für sich in einer selbstreflektierender offenen Art und Weise, die Mut macht und Vertrauen schafft.
http://www.underdog-fanzine.de/2016/08/16/faulenza-einhornrap/
UNDERDOG FANZINE
Fred Spenner
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Interview auf kotzendes-Einhorn.de:
http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2016-08/mein-plattenschrank-mit-faulenza/

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Hier ein Beitrag im Magazin „Blu“ 5.8.16: http://www.blu.fm/blu/kultur/faulenza-frans-female-rapperin/

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„Siegessäule“ August 2016
„Das Album „Einhornrap“ von FaulenzA ist ein starkes Stück. Unverblümt knallt die in Berlin lebende Sängerin, Rapperin und Trans*aktivistin Themen wie Transmisogynie, Körperdogmen, Diagnoseschlüssel, Suizid oder trans*phobe Gewalt auf den Tisch und erschafft dabei ein kraftvolles queer-politisches Statement. Doch nicht nur ihre klugen Rhymes machen das Album zu einem Ereignis, sondern auch das oft gelungene Songwriting der Tracks – unter anderem mit Gästen wie sookee, MSOKE oder Carmel Zoum. Keine leichte, aber eine wichtige Platte.“

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Und hier ein Interview im Magazin „Siegessäule“:
http://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/2874-faulenza-im-interview-cismenschen-koennen-nicht-wissen-wie-eine-transweibliche-sozialisati.html
5.8.16
FaulenzA im Interview: „Je besser mein Passing ist, desto weniger Gewalt erfahre ich“
Die Rapperin und Aktivistin FaulenzA stellt bei der SIEGESSÄULE-Lounge ihr neues Album „Einhornrap“ vor. Chefredakteur Jan Noll traf sie zum Interview

01.08. – Die Liedermacherin, Rapperin und Trans*aktivistin FaulenzA veröffentlicht am 19.08. ihr neues Album „Einhornrap“ auf dem renommierten Berliner Label Springstoff. Wir sprachen mit der Künstlerin, die am Mittwoch, den 03.08. bei der SIEGESSÄULE-Lounge im Monarch auftritt, über Diskriminierung von Transfrauen, Einhörner und ihre Musik

FaulenzA, du kommst ursprünglich aus einem Folk-Background. Dein neues Album ist eine Hip Hop Platte. Wie kam’s dazu? Angefangen hab ich eigentlich mit Punk. Ich spielte früher in Punkbands, die haben sich aber immer irgendwann aufgelöst und deshalb fing ich an, alleine Musik zu machen. Am Anfang eben nur mit meiner Gitarre und Gesang, so Liedermacherinnen-Musik mit einem Punk-Touch. Dann habe ich Hip-Hop für mich entdeckt: linken, feministischen Rap, zum Beispiel Sookee oder Lena Stöhrfaktor. Was mich daran sehr gereizt hat, war die Reimkultur. Es wird viel Wert auf schöne, ausgefuchste Reime und Wortspiele gelegt. Das baute ich dann auch immer mehr in meine Musik ein.

Dein Album heißt „Einhornrap“. Das Einhorn ist ja ein in der queeren Szene relativ häufig bemühtes Symbol. Was bedeutet es für dich? Ich nehme es auch als ein Symbol für die queere Szene wahr. Für mich steht es für Fantasie und Offenheit und dafür, dass es viele Lebensformen und Identitäten gibt – auch jenseits von dem was die Gesellschaft kennt und akzeptiert.

In den Tracks „Transmisogynie“ und „Safe Räume“ sprichst du über die Ausgrenzung von Transfrauen in FLTI-(Frauen, Lesben, Trans*, Inter-)Zusammenhängen. Dieses Thema beschäftigt vor allem auch die lesbische Szene schon länger. Wie krass nimmst du dieses Problem wahr? Ich muss mich schon häufig damit auseinandersetzen. In der feministischen Szene gibt es oft ein ganz komisches Denken über Transfrauen. Wir müssen uns da oft Dinge anhören wie: „Du bist doch eigentlich ein Mann, willst du dich nicht mit deinen männlichen Privilegien auseinandersetzen anstatt dich nur in unseren feministischen Räumen breitzumachen.“ Das habe ich im Zuge meines Coming-outs viel gehört und ich wurde viel von Feministinnen angefeindet. Deshalb war ich ganz lange überhaupt nicht in solchen FLTI-Räumen unterwegs. Vor meinem Coming-out eh nicht, aber auch danach wenig. Ich hatte immer das Gefühl, dass mich die Leute komisch anschauen und überlegen, ob ich trans genug bin oder nicht, ob das nur eine Phase ist, ob ich mich nur für einem Abend verkleide und so weiter. Ich war lange unsicher, habe viel überlegt, ob mein Passing gut genug ist, um dort akzeptiert zu werden. Dann gibt es ja auch FLTI-Räume, die ganz offen Transfrauen ausschließen, und reine Frauenräume, die keine Transfrauen wollen. Aber auch, wenn es kein offizielles Verbot gibt, merke ich, wo ich willkommen bin und wo nicht.

In diesem Kontext wird ja oft gesagt, dass Transfrauen nicht weiblich sozialisiert sind und deshalb bis zu einem bestimmten Punkt mit männlichen Privilegien großgeworden seien. Das kritisierst du auch auf deiner Platte. Ich halte auch öfter Vorträge zum Thema Transmisogynie und im Herbst kommt ein Buch von mir raus zu diesem Thema. Das heißt „Support your sisters not your cisters“. Ich höre das ganz oft von Leuten, gerade von Feministinnen. Sowas ärgert mich immer. Aber Cismenschen können überhaupt nicht wissen, wie eine transweibliche Sozialisation aussieht. Viele stellen sich vor, dass eine Transfrau ihr Leben lang glücklich als Cismann lebt und dann plötzlich aufwacht und denkt: „Ach so, ab heute wäre ich aber lieber eine Frau“. Und die Leute denken, dass man ab diesem Punkt überlegen könne, ob sie Diskriminierung erlebt oder von Sexismus betroffen ist. Das finde ich schlimm, weil es für mich ganz klar ist, dass Transfrauen und Transmädchen auch vor ihrem Coming-out ganz viel Diskriminierung erleben und keine cisprivilegierte Sozialisation haben. Die Gesellschaft verbietet uns, als Mädchen zu leben und man drängt uns als Kind und Jugendliche dazu, Männlichkeit zu zeigen, ein Junge zu sein. Das wird von vielen Feministinnen als Privileg gesehen. In meinen Augen ist das aber eine total krasse Gewalt, die vielen Transmädchen angetan wird. Viele versuchen eine Weile, männlich zu wirken, um nicht ausgeschlossen zu werden und um keine Gewalt zu erleben. Bei den meisten klappt das aber vorne und hinten nicht und sie werden dann doch als anders oder als zu weiblich gelesen. Sie werden von Jungencliquen und von Mädchencliquen ausgeschlossen und erfahren Mobbing in der Schule. Dann ist da die Angst vor dem Coming-out, die Angst Freunde oder Familie zu verlieren. Und erst die Pubertät! Viele Trans*menschen haben ja ein sehr schlechtes Verhältnis zu ihrem Körper. Dann ist die Pubertät eine ganz schwierige Zeit, gerade auch, weil es überhaupt keine Aufklärung zu Trans*themen gibt. Es gibt quasi keine Chance, sich mit anderen Trans*personen auszutauschen. Dagegen haben viele Cisjungendliche schon die Möglichkeit, ihre Pubertät mit anderen Jugendlichen zusammen zu zelebrieren, sich auszutauschen.

Das Album setzt sich sehr intensiv mit all diesen Problemen auseinander, dadurch wirkt es mitunter sehr düster. Schreibst du nur, wenn es dir schlecht geht oder du etwas kritisieren möchtest, oder stellt das Leben als Transfrau für dich tatsächlich einen dauerhaften Kampf dar? Als Transfrau habe ich schon dauerhaft mit Diskriminierung zu tun. Je besser mein Passing ist, desto weniger Gewalt oder Aggressionen erfahre ich. Ich schreibe oft über Dinge, die mich verärgert haben, aber ich versuche auch, meinen Optimismus oder Spaß zum Ausdruck zu bringen, das Ganze mit einem Augenzwinkern zu machen. Also nicht bloß niederschmetternd, sondern immer empowernd. Ich möchte unterstreichen, dass wir stark sind und Kraft haben.

Interview: Jan Noll

FaulenzA ist live am 03.08. bei der SIEGESSÄULE-Lounge „frisch gepresst“ im Monarch zu sehen. Eintritt ist frei! Beginn: 20:00

folgende Fragen habe ich Thuy Vi für ihre Hausarbeit über femministischen HipHop beantwortet:

Steht bei dir der Inhalt deiner Songtexte oder die Musik/das Musikmachen im Vordergrund? Siehst du dich als politische Musikerin oder als Musik machende politische Aktivistin (oder spielt das keine Rolle)?
Der text steht im Vordergrund. Ich schreibe immer zuerst den Text. Meistens wie einen Tagebucheintrag. Das ich alles durceinander aufschreibe was mich gerade beschäftigt. Wenn ich gerade besonders traurig bin, Angst und Sorgen hab oder wütend bin. Wenn ich wütend bin, wird’s meistens ein >HipHoplied. Das aufschreiben hilft mir manchmal meine Gedanken zu sortieren und den Kopf ein bischen frei zu bekommen. Dann fange ich erst an, den Text als Lied umzuschreiben und lass mir dafür eine Melodie einfallen. Aber die Musik ist bei mir eher Mittel zum Zweck, also dass ich das Lied singen kann. Und das macht mir ja auch Spaß.
Ich seh mich als politische Musikerin. Aber es ist schon auch eine Form von politischen Aktivismus für mich, wenn es erreicht, dass zum Beispiel Trans* Themen mehr in die Öffentlichkeit kommen, oder wenn ein Konzert eine Demo, Blockade oder Besetzung oder so unterstützt. Ich hallt mich in letzter Zeit aber gern aus allem zurück, wo Bullengewalt zu erwarten ist, weil ich das gerade nicht gut abkann. So bleibt die Musik im Moment auch so ziemlich mein einziger Aktivismus.
Was ist der musikalische Anspruch? (auffällige Harmonien; einfache Melodien, die jede/r mitsingen kann…)
Ich bin leider gar nicht son musikalisches Genie und mir kommts wirklich hauptsächlich auf die Texte an. Ich mag ruhige eingängige und träumerische Melodien und schöne Gitarrenzupfmuster. Ich finds auch eigentlich ganz schön wenn ein Lied nicht so kompliziert ist, dass es nur wenige nachspielen können. So können sie dann auch schon ganz leicht am Lagerfeuer gespielt werden.
Und bei meinem HipHop Liedern, hab ich mit der Musik ja gar nichts zu tun. Da schreibe ich wirklich nur den Text und lass mir vlt eine Melodie für den Refrain einfallen, aber die HipHopBeatz machen andere für mich. Bisher vor allem ein Künstler namens „Dubstaepke“. Da sag ich dann schon meine Meinung zu den Beatz, aber ich komponiere sie nicht. Mag besonders gerne, wenn die Beatz schön viel Bass haben und gut tanzbar sind. Dann hab icha cuh auf der Bühne Spaß beim rappen abzutasnzenJ
Schreibst du die Musik komplett alleine? Bekommst du die Beats und schreibst einen Text dazu oder umgekehrt?
Ja, meine Texte schreib ich immer alleine. Wenn ich einen Text fertig hab, mach ich eineProbeaufnahme davon und schicke sie jemanden der_die Beatz machen kann und frage, ob sich die Person dazu was vorstellen kann.
Wie bist du vom Punk/Songwriting zum Hip Hop gekommen? Fühlst du dich in einem/mehreren Genres zuhause?
Ich mag glaub ich Musik gerne wenn der Text wichtig und politisch ist und ich ihm gut zuhören kann. Das mag ich bei Punk und HipHop. Mochte gern deutschsprachigen Punk mit schönen Melodien und guten Texten. Bei HipHop genauso. Hauptsächlich wurde ich von Lena Stoehrfaktor und Sookee angefixt. Ich finde Punk und auch HipHop eignet sich gut zum schimpfen und wütend sein. Ich mag eigentlich beides gern, aber für HipHop brauch ich keine Band gründen. Da kann ich mir zur Not mal einen freien Beat aus dem Internet runterladen und losrappen. Das mag ich an HipHop, dass es jeder Person, ganz einfach machen kann, ohne Instrumente spielen zu können, oder teure Technik zu kaufen. Das ist ja auch etwas, was ich bei Punk mag. Das trashige 3 Akkorde Spiel, mit billigsten Istrumenten. Da muss mensch nicht Musik für studieren um die Message rauszuschreien J  
Ist die Musik für dich ein empowerendes Mittel, sozusagen eine „Waffe im Kampf“?
Oh ja. Vor allem die Texe zu Trans*Themen. Das gibt mir ganz viel Kraft, sie auf der Bühne selbstbewusst zu rappen, oft als einzige Trans*frau im Raum. Und mir den Scheiß von der Seele schreiben tut auch gut. Und Feedbacks zu bekommen, von Leuten, die die gleiche Erfahrung machen und die sich verstanden gefühlt haben. Letztens hab ich ein Musik Video von Julian oder Juliane gemacht. Da bin ich zu sehen wie ich durch die volle Fussgänger_innenzone gehe und das Lied rappe. Das tat gut. Da hat mir später auch ein_e Freund_in gesagt der_die dabei war, dass es sich richtig empowernd angefühlt hat mit der Musik durch die Stadt zu gehen. Reclaim the street!
Wen möchtest du mit deiner Musik ansprechen?
Oft beschreibe ich ja meine Gefühle in den Liedern. Da möchte ich die Leute ansprechen, die das Gefühl zum Teil nachfühlen können, und die sich ein Stück weit in dem Text wiederfinden. Bei Texten zum Thema Trans* sind das vlt Trans*leute oder überhaupt LGBT*I* Personen, die Diskriminierungserfahrungen kennen. Dann hoffe ich, dass die Texte zu Trans*themen besonders auch Cis-Personen (Leute die nicht Trans* sind) erreichen und vlt für mehr Sensibilität sorgen, ihr Zweigeschlechterdenken ins wackeln bringen und Schönheitsvorstellungen zu hinterfragen. Vlt tragen auch meine Lieder bei manchen Leuten ein bisschen dazu bei. Und in machen Texten erzähl ich auch von ganz bestimmten Leuten, die Scheiße gesagt und gemacht haben. Da hab ich immer die kleine Hoffnung, dass sich mal einer von denen in einem Lied wiedererkennt J
Hat deine Musik pädagogische Ansprüche?
„Frag mich wie viel pädagogische Arbeit ich in meiner Freizeit leisten kann“ (Lena Stoerfaktor in „Frag mich nicht“)
Ich würd es eher politische Ansprüche als pädagogisch nennen ;)
Hat dich deine Musik gestärkt/empowert/angreifbar(er) gemacht?

Empowert auf jeden Fall. Ich bin schon viel selbstbewusster geworden. Spiele in Räumen wo ich manhcmal die einzige Transperson bin. Da hab ich mir durch das rappen ein dickere Fell zugelegt, gegen  doofe Blicke Fragen, Beleidigungen. Das hilft mir mich in solchen Räumen wohl zu fühlen.  Ich möchte mich nicht verstecken und mich hässlich und Alien-mäßig fühlen. Ich möchte mich selbstbewusst zeigen und stolz sein: Trans*Pride! Mit diesem „Trans* Pride“ Slogan habe ich daher auch ein Transpi gemalt, was ich bei Konzerten hinter mir auf die Bühne hänge. Da stärkt es mir dann den Rücken :-)
Die Musik macht mich aber auch angreifbarer. Letzten Samstag hatte ich zum Beispiel ein krasses Konzert. Da habe ich auf einer Queer-Party gespielt. Und diese Queer Party fand in so einer richtigen Makker-Fußball-Fan Kneipe statt. Da waren dann auch ganz viele betrunkene makkrige Stammgäste und die Queer-Party-Gäste waren in der Unterzahl. Die Stammgäste, die im hinteren Teil ders Raumes an der Theke saßen, fanden mein Konzert dann wirklich so scheiße, dass die Veranstalterin während meines dritten Liedes die Musik angestellt hat. Das Konzert und die Queer Party wurde abgebrochen und ist in ein nahes Jugendzentrum umgezogen.
Dann bieten auch Platformen wie youtube und Facebook genug Raum für blöde Leute ihre sexistischen und trans*feindlichen Kommentare zu posten. Oft wird aber auch gut von anderen darauf reagiert.

 
Wie würdest du deinen Rap-Stil beschreiben?
-Ohje ich kenn mich so mit HipHop an sich ja gar nicht aus, bin als Teenie ja eher mit Michael Jackson und später dann mit Punk aufgewachsen. Da weiß ich dann gar nicht so genau, was es da alles für verschiedene Rap-Stile gibt. Ich hab aber immer viel Spaß dran schöne Reime zu basteln, also wo sich mehrere Silben hintereinander reimen. Das hab ich zum Beispiel bei Dendemann bewundert. Dann freu ich mich auch, wenn mir ein lustiger Vergleich gelungen ist. Bei den Liedern, die ich mit Melodie singe, konzentrierich mich mehr drauf schöne Melodien zu finden und bei HipHop kann ich manchmal mehr den Fokus auf solche „technischen“ Details beim Schreiben haben. Und ich versuche humorvoll und positiv zu rappen. Ich finde, dass tut gerade auch bei ernsten Themen wie zB Trans*feindlichkeit gut. Ich glaube, wenn ichnur traurig schreiben würde und mich nicht auch mal über doofe Leute und ihre Denke lustig machen würde, würd sich das für mich nicht so empowernd anfühlen. Und vlt würd es auch andere Leute dann runterziehen.

Nach welchen Kriterien suchst du dir den Beat aus? Tanzbar, viel Bass, schnell/langsam, melodisch/rhytmisch/harmonisch?
Eigentlich möchte ich da den Künstlerinnen, die mir die Beatz machen viel Freiheit lassen. Es ist dann ja am Ende auch ihr Kunstwerk, also der Text meins und der Beat ihrs. Und da möcht ich dann nicht so viel reinfuschen. Manchmal, wenn ich jemanden um einen Beat bitte, sag ich aber auch meine Vorstellung, zum Beispiel, wenn ich etwas suche, was doll nach vorne geht,mit viel Bass und „auf die Fresse“. Ich kann das aber selber gar nicht umsetzen und da überasch ich mich dann, was ich bekomme und probiere aus, ob ich mich damit anfreunden kann. Ob ich die Stimmung passend finde. Ich mag glaub ich tanzbare Beatz mit viel Bass gerne. Und tanz selber ja auch voll gern auch HipHop.

Wo und in welchem Rahmen finden deine Auftritte statt?
Das ist ganz unterschiedlich. Meistens ist es aber ein unkommerzieller Rahmen. Also ein Konzert, was von Leuten organisiert wird, die kein Geld damit verdienen, wo all die Helfer_innen an der Theke, in der Küche, an der Tontechnik und so kein Geld verdienen und wo der Eintrittspreis deshalb günstig, oder gegen Spende sein kann.
Sehr gern spiel ich auf queefemministischen Veranstaltungen wie, Ladyfests, oder thematischen Veranstaltungsreihen wie „Gesellschaft-Macht-Geschlecht“. Da fühl ich mich manchmal als Trans*frau auch nicht so alienmäßig und es gibt allgemein mehr Achtsamkeit und einen vorsichtigeren Umgang miteinander. Im Sommer spiel ich gern auf politischen Festivals oder Camps. Manchmal werd ich auch einfach von linken Hausprojekten, oder Straßenfesten eingeladen. Da hab ich eigentlich eine ganz bunte Mischung an Auftritten im deutschsprachigen Raum und lern viele unterschiedliche und tolle Leute und Orte kennen.

Welcher Bedeutung hat Sprache in deiner Musik?
Ich bemühe mich keine Diskriminierende Sprache zu verwenden. Das ist mir sehr wichtig und da bin ich auch offen für Kritik. Habe mit den Jahren, in denen ich Musik mache immer wieder Begriffe und Asdrücke aus meinem Wortschatz, und somit auch in meinen Liedern ausgetauscht. Früher habe ich zum Beispiel manchmal „ficken“ in einem Zusammhängen verwenmdet, wie „hast dus nicht geblickt, du bist gef… es gibt kein Weg zurück… oder „es fuckt dich ab“ Das habe ich ersetzt weil mir klargeworden ist, dass auf diese Weise „Sex haben“ in der Umgangssprache gleichbedeutend verwendet wird wie „zerstören“. Oder das Lied I…Detektivpirat habe ich unbenannt in „Wilderwestendetektivpirat“, weil I… eine Fremdbezeichnung von Weißen für Native Americans ist.
Dann fällt mir zur Sprache noch ein, dass ich es oft schade finde, dass ich meine Lieder nur auf Deutsch schreibe und sie somit von vielen nicht verstanden werden. Ich möchte ja auch nicht die Einstellung unterstützen, „dass alle ja Deutsch zu lernen haben“. Deshalb mach ich wenigstens die Ansagen für die Lieder auf englisch und erklär ganz kurz worum es geht und dann singe ich auf deutsch.
Mir ist es auf jeden Fall auch wichtig möglichst genderneutral zu schreiben, also je nachdem, wie es rythmisch passt, den GenderGap als kleine Pause mitzusprechen um Sichtbarkeit für Identitäten jenseits von Mann und Frau zu schaffen, oder ich rede zumindest von „Freundinnen und Freunde“, oder mal die eine, mal die andere Form.

Bezeichnest du dich als femministische Rapperin? Was heißt femministischer HipHop für dich?
Ich bezeichne mich auf jeden Fall als femministische Rapperin. Genauer vielleicht als queerfemministische Rapperin.
Für mich heißt das, das ich mich mit der Musik selbst empower gegen sexistische Diskriminierung und vielleicht auch anderen FLT-Personen Kraft gebebn kann. In Situationen, in denen ich angefeindet, ausgelacht, bedroht, angegriffen, angegrapscht werde bin ich oft total perplex und mir fällt erst viel später der passende schlagfertige Kommentar ein. Deshalb find ich meinen Rap femministisch, weil sie er ein Ventil für mich gegen Sexismus ist. Es tut mir gut solche Situationen in Texten zu verarbeiten, oder blöden Typen zurückzudissen, oder mir selbst Mut zuzusprechen. Dann hör ich mir meine Lieder auch selber mehrmals an und fühl mich stärker und kann sogar über bescheuerte Cis*Makker lachen. Zum Beispiel habe ich gerade erst ein unglückliches Verliebtsein von mir in einem doofen Makker in einem Lied verarbeitet. Es heißt „Ich liebe Männer ich hasse Männer“ Das hat mir so viel Spaß gemacht so richtig sarkastisch und humorvoll auf den abzudissen.
„Queerfemministsich“ sage ich dazu, weil meine Texte oft speziell von Trans*feindlichkeit und Homophobie handeln.
Femministischer Rap heißt für mich auch solidarisch mit anderen Kämpfen zu sein, zum Beispiel mit antirassistischen Kämpfen. Dabei versuchen als Weiße nicht dominant und bevormundend zu sein, für Kritik von People of Colour offen zu sein und darauf achten keine rassistische Sprache zu benutzen oder rassistische Bilder zu erzeugen.

Wie drückt sich Femminismus in deiner Musik aus?
Die Frage habe ich vielleicht schon ein bischen beantwortet. Ich verarbeite ja oft persönliche Diskriminierungserfahrungen, disse die Diskriminierenden ab und spreche mir selbst Mut und Kraft zu. Ich hoffe, wenn jemensch ähnliche Erfahrungen macht oder gemacht hat, gibt es ihm_ihr vielleicht auch Mut und Kraft.

Gibt es eine „Sisterhood“ bei femministischem HipHop?

Ich würd nicht nur von „sisterhood“ sondern von „Geschwistern“ reden. Ich möchte mich ja gern auch mit Rapper*innen vernetzen, die Inter* und/oder Trans* sind, auch wenn ihr Pronomen nicht „sie“ ist. Vernetzung und gegenseitigen Support unter femministischen Rapper*innen find ich sehr wichtig und würd mir auch wünschen, dass es das noch mehr gibt. Es gab ja auch das „Bigger than…“ festival. Ich glaube, dass war das erste Festival dieser Art, wo sich FLT*I* Rapper*innen getroffen haben und Konzerte gegeben haben. Auch hier waren es ja nicht nur „Sisters“ sondern, es sind auch Inter*personen und Trans*männlichkeiten aufgetreten.
Auch ein tolles Beispiel für Vernetzung ist das „Reclaim the stage“ in Mühlheim an der Ruhr: Drei Tage Vernetzung, Workshops, Konzerte, Open Stage für FLT*I* Personen rund ums Thema Musik. Da freu ich mich schon wieder sehr drauf :-)

Hälst du Bezeichnungen wie femministischer HipHop, homo hop, queer HipHop etc. für sinnvoll/problematisch?
Ui, da fällt mir jetzt gar nicht so viel zu ein. Ich würd meine Musik ja selbst als queer HipHop, oder queerfemministischen HipHop bezeichnen.
Das find ich eigentlich nicht problematisch.

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OX fanzine 4/2014 (August/September 2014)
„Faulenz*A
Glitzer Rebellion
CD // faulenza.blogsport.de // Aus dem streunenden Punk Faulenza ist auf seinem/ihrem zweiten Album nun die streunende Punkerin und Glamour Queen Faulenz*A geworden. Dementsprechend präsentiert sie sich im Booklet mit Rock und Make-up, dementsprechend handeln die Songs zu einem großen Teil von Schönheitsidealen, Männlichkeitswahn und Sexismus in der linken Szene, dem Mann-Sein-Müssen und Als-Frau-leben-Wollen, von gleichgeschlechtlicher, beziehungsweise queerer Liebe. Faulenz*A bleibt weiterhin linkspolitisch, singt über Staatsgrenzen und Staatsdienst, aber auch über die Schönheit eines Lagerfeuers, das Musizieren auf der Straße, von Gefühlen, die anklopfen, aber nicht rein gelassen werden. Dazu spielt sie auf diesem in ihrem Bauwagen eingespielten 13 Songs Akkustikgitarre und Mundharmonika, rappt mit Lena Stoehrfaktor, lässt sich auf Cello, Bratsche und Querflöte begleiten. Die Songs haben Charme und Wiedererkennungswert, geben viel Persönliches preis, wenngleich ich im Gegensatz zum ersten Album unter die Haut gehende Tracks wie „Tanzen“ oder „Ideale“ vermisse. Dennoch: Wie Faulenz*A in „Wow!“ naiv-schüchterne Verliebtheit schildert und in „Dunkelste Nacht“ dann doch auch seine/ihre dunkle Seite rauskramt, sollte Mensch sich schon angehört haben. Und das übrige Album natürlich auch. (8 von 10 Punkten) H.C. Roth“
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Ox fanzine 1/2013 (Februar/März) 25. Jahrgang
„Faulenz*A
Mäusenarchy
CD/ 76:31
Faulenz*A aus Bochum hat eine Gitarre, ein Akkordeon, eine Mundharmonika und viel zu erzählen. Über die autonome Maus, über den Mann namens Ratte, der kein Geld hat, über ihr Leben als „Streunende Punkerin“, die keinen Alkohol braucht. Über ihre Ideale, ihren Veganismus. Hochpolitisch, manchmal auch nachdenklich, berührend. Manche Songs sind mit Cello unterlegt, allerlei Gäste mit dabei. Meine Faves unter den 20 Songs: das wunderschöne „Tanzen“ und der treibende Quetschensong „Ratte“. Anarchopunk braucht eben nicht immer Strom.
(8 von 10 Punkten) H.C.Roth
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Rezension meines Albums „Mäuseanarchy“ im Magazin „Plastic Bomb“:

„Faulenza is eine junge Liedermacherin mit Quetsche und Gitarre, die mir schon öfter mit ihren lustigen Texten und ihrer sympathischen Art aufgefallen ist. Nun hat sie es geschafft das Ganze auf eine CD zu bannen. Unterstützt wird sie dabei teilweise durch Cello und Geige. Ihre Texte sind abwechslungsreich, mal gefühlvoll, mal lustig, mal wütend, mal traurig aber immer authentisch. Die Musik steht dabei eher ein wenig im Hintergrund. Sie hat zwar nich die Liedermacherkunst neu erfunden, aber ich glaube den Anspruch stellt Fauli auch gar nicht. Mensch merkt/hört, dass die Produktion nicht total professionell und auch nicht 100% harmonisch ist, aber trotzdem mag ich die CD und werd sie sicher noch öfter hören. Bemerkenswert: auf ihrer Homepage kann Mensch sich ihre Lieder runterladen. Lohnt sich auf jeden Fall zum reinhören, aber dann entgeht euch das wirklich schön gemachte Digipack. Anspieltipps: Die autonome Maus und Ratte. Lars (faulenza.blogsport.de).“
http://plastic-bomb.eu/index.php/reviews/cds-a-vinyl/3792-faulenza-maeuseanarchy-cd
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INTERVIEW IM „EXTREME LIEDERMACHING“
Hallo ihr Lieben
folgende Interview-Fragen habe ich im September 2014 dem Zine „Extreme Liedermaching“ aus Stuttgart beantwortet:
Extreme Lidermaching (E.L.).: Hallo Punkgeselle, welche Lebensgefühle umgeben dich im Moment, wo wir dieses kleine Interview beginnen?
Faulenz*A: Hallo Dirk
zuerst ist es mir wichtig zu schreiben, dass mein Pronomen „sie“ ist. Also schreib bitte „Punkgesellin“ statt „Punkgeselle“. Danke dir!
Meine Lebensgefühle sind gerade ganz doll geprägt von Aufbruch und ganz neuem Freiheitsgefühl, seiddem ich endlich mit meinem Studium (Soziale Arbeit) fertig bin. Bin so froh nicht mehr an Anwesenheitspflicht und Abgabetermine denken zu müssen. Nun jobbe ich in einer netten Bar und überlege wie es wohl weitergeht. Zum Beispiel fänd ichs toll ich eine schöne Wohn-Gemeinschaft in Berlin zu finden,wo es eine große Trans* und Queer Scene gibt. Solche Gedanken beschäftigen mich gerade viel. Die Lieder „Auf der Suche nach mir selbst“ und „Arbeitslos“ habe ich vor kurzem darüber geschrieben.
E.L.: Einen guten Schuss Lebensmut gehört dazu, deinen Lebensweg einzuschlagen. Als Musiker, Streunender Punk, muss man sicher ein echter Lebenskünstler sein um seine Sache durchziehen zu können. Welche wertvollen Lebenstipps fallen dir in deinem Lebensweg ein, die genau richtig waren, um dich genau dorthin zu bringen, wo du jetzt bist?
Faulenz*A: Ich weiß nicht, so viel Lebenskünstlerin musste ich bisher gar nicht sein, weil ich während meinem Studium Kindergeld und Geld von meinen Eltern bekommen hab. Dann hatte ich es bisher auch einfacher dadurch, dass ich in einem Bauwagen wohne und keine Miete zahlen muss. Da reicht schon ein kleiner Bar-Job um mich zu finanzieren. Auf dem Bauwagenplatz wohne ich auch mit einigen sehr tollen Menschen zusammen. Sie und andere wichtige Freund_innen geben mir auf jeden Fall viel Kraft und Mut. Das war unheimlich wichtig für mich Menschen zu finden, bei denen ich mich wohl und zuhause fühle.
E.L.:Dank Internet kann jeder in den Genuss deiner Lieder kommen, der weiß, wo er suchen muss. Erspart dir das Schleppen von CDs zu deinen Live-Orten. Habe mir durch dein Angebot 3 Alben zusammengestellt: Meine alten Lieder, 20 Lieder – Maeuseanarchy 18 Lieder, Neue Lieder, 5 Lieder.
Inzwischen ist dein Album „Glitzerrebellion“ dazugekommen (13 Lieder) und 2 ganz neue Lieder nur zum anhören. Diese habe ich mir liebevoll als CD-R Albensammlung gestaltet, gebastelt. Freut es dich, das es sicher eine bestimmte Anzahl von Leuten gibt, welche sich die gleiche Mühe und Sorgfalt machen, mit deinen Liedern zu befassen?
Faulenz*A: Natürlich freue ich mich sehr, wenn Menschen meine Lieder runterladen. Ich beobachte auch gern die Anzahl der Klicks und Downloads und bin ganz stolz, wenn welche dazukommen^^
Auf meiner Seite hat ich aber schon wieder einiges verändert, seidem du die Lieder runtergeladen hast: Meine älteren Lieder habe ich angefangen ganz neu aufzunehmen. Daraus soll auch ein Album werden. Bisher sind es 10 Tracks zum runterladen. Dann gibt es 8 ganz neu geschriebene Lieder und was ich gerade besonders aufregend finde: HipHop Aufnahmen, so mit richtigen HipHop Beatz Die Beatz hat ein Freund von mir für mich gemacht .“Dubstaepke“ ist sein Künstlername. Da werden in nächster Zeit auch mehr Aufnahmen dazukommen. Das heißt aber nicht, dassich mit Gitarre und Akkordeon deshalb aufhöre. Auf meinen letzten Konzerten habe ich zum Beispiel die erste Hälfte mit Gitarre gespielt und die zweite Hälfte hab ich dann HipHop gemacht. Mir macht einfach beides viel Spaß.
E.L.: Dein Album „Maeuseanarchy“ und neue Werk „Glitzerrebellion“ gibt es zwar zum runterladen, doch allein das Cover von „Maeuseanarchy“ und kommende Cover für das neue Album sprechen sicherlich Bände, wenn jetzt sogar CDs von dir gegen Spende zu bekommen sind. In Kleinauflagen finden Alben noch immer ihre Fans und Abnehmer. Freut es dich, dass sich im Internetzeitalter immer noch Leute finden, die Originale wollen?
Faulenz*A: Klar freu ich mich, wenn Menschen eine CD von mir möchten. Die geb ich bei Konzerten immer gegen Spende raus. Ich selbst find originale CDs mit schöner Covergestaltung und Textheftchen auch schöner als MP3. Kauf mir manchmal nachdem ich ein schönes Konzert gesehn hab eine als Erinnerung an den Abend und um die Band zu unterstützen.
E.L.: Ne wirkliche Überraschung für mich und andere war der „RAK-Sampler 2012-Wir stören gern“, wo dien Lied „die autonome Maus“drauf ist. Was hat dich am RAK so begeistert, ein Lied für den 30 Jahre Sampler beizusteuern?
Faulenz*A: Die RAK habe ich 2011 in Köln kennengelernt. Ich geh immer noch gern zu den Treffen, weil ich einige Menschen dort wirklich sehr gern mag und mich freu sie wiederzusehn. Die Rak ist ein großes offenes Netzwerk für linkspolitische Musiker_innen. So ein loses Netzwerk, wo alle mitmachen können, bringt aber auch mit sich, dass ich mich nicht mit allen und mit allem wohlfühle. Gut finde ich auf jeden Fall Entwicklungen in der RAK, wie Workshops zum Thema „Definitionsmacht“ und „männlicher Dominanz“ und den neu eingerichteten FLT*I* Mailverteiler, also nur für Frauen, Lesben, Trans* und Inter*. Es gibt übrigens schon einen neuen Rak Sampler 2014. Diesmal sogar eine Doppel-CD
E.L.:Zwischen Köln und Stuttgart gibt es durch „mein Bus.de“ eine 18 Euro billige Reiseverbindung. Würde es dich freuen auch so mal live Fuß in der Stuttgarter Liederwelt zu fassen?
Faulenz*A: Na klar gern
E.L.:Einen großen Wirbel gab es um das AZ Köln und dessen Umzug. Eine Stadt, welche durch so eine gesellschaftliche Reich-Arm Vielfalt gebeutelt ist, braucht eine besondere Art der freien Entfaltung, welche den geplanten Wirtschaftszielen entgegenläuft. Wie soll Köln für die Urlauber wirken und wie sieht das wahre Gesicht von Köln aus?
Faulenz*A: Da kann ich leider nicht viel zu sagen, weil ich nicht in Köln wohne. War nur in der Zeit der AZ-Besetzung ein paar Tage dort und komme seiddem manchmal zu Freund_innen zu Besuch.
E.L.:Bei deinen alten Liedern und den Stück mit Lena Stoehrfaktor kommt auch deine Leidenschaft für HipHop, -Rap durch. Wie kam es zum Duett mit Lena, welche wirklich inhaltsreiche, wertvolle Musik erschafft?
Faulenz*A: Die Aufnahme mit Lena war ganz schön aufregend für mich, weil ich selbst bereits ein Fan von ihrer Musik war. Als ich dann „Frag mich nicht“ geschrieben habe, kam ich auf die Idee, dass ihr zu dem Thema „blöde Fragen und Kommentare, wenn ein Mensch nicht in Geschlechtervorstellungen passt“ bestimmt auch etwas einfällt. Ihr Lied „Kategorie Ich“ handelt ja auch davon und hat mir viel Kraft gegeben. Ich hab mich dann auch unheimlich gefreut und war richtig stolz, als sie zugesagt hat. Wir haben das Lied dann zweimal aufgenommen: Einmal mit akkustischer Musik (Querflötenbeatbox von Luk!) und einmal mit einem tollen HipHop Beat. Sogar ein Video haben wir dazu gedreht, das muss aber noch geschnitten werden. Hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht mit ihr. Vielen Dank und liebe Grüße nach Berlin!
E.L.:Im Zeitenwandel greift dein Lied „Ich werde dir niemals sagen“ besonders gut. Die Sichtweise der Menschen hat sich die letzten Jahre aus seinem festgelegten Normen gelöst, bis auf kleine besungene Hemmschwellen, die natürlich bleiben werden. Welche Normen und Regeln hast dur dir in deinem Leben so aufgestellt um den ständigen Zeitenwandel um dich zu meistern?
Faulenz*A: Ich versuche selbstbewusst zu sein und mir ein möglichst dickes Fell anzuziehen gegen Trans*feindliche Belästigungen. Oft brauche ich dieses dicke Fell leider auch bei meinen Konzerten. Da find ichs gut, wenn es bei Veranstaltungen sichere Rückzugsräume Awarness-Gruppen gibt. Diese Awarenss Leute sind dann für alle gut erkennbar, so dass Menschen bei ihnen Unterstützung finden können die zum Beispiel von Sexismus oder Rassismus betroffen sind. Bei Interesse kann mensch dieses tolle Konzept gut googlen.
Ich gehe betrunkenen Leuten aus dem Weg und versuche nach meinen Konzerten das übernachten in Gruppenschlafräumen zu vermeiden.
Auf bescheuerte und viel zu intimen Fragen rund um Geschlechtsidentität und Sexualität reagiere ich manchmal schroff und abweisend um schnell aus der Situation herauszukommen und weil ich in so einem Moment dann einfach nicht schlagfertig bin. Oft fällt mir erst später ein, was ich alles hätte sagen sollen. Unangenehm, wenn in dem Moment die Klokabine der einzige ruhige Raum ist um runterzukommen. Trans*feindlichkeit, Homophobie und Sexismus ist auch in der Punkszene, wie in der Mainstreamgesellschaft ein großes Problem und macht, dass sich oft nur Cis-Männer (Nicht-Trans*Männer) wohl fühlen und sich Raum nehmen, zum Beispiel auf der Bühne.
EL: An dieser Stelle werfe ich gerne Begriffe in die Runde. Bin gespannt was dir dazu einfällt.
Bild: Voll doof. Sexistisch und rassistisch
Extrem Liedermaching: Das Zine hab ich bisher noch nicht gelesen, bin aber gespannt auf die nächste Ausgabe^^
Hörspiele: Oh voll toll. Ich liebe Hörspiele und Hörbücher. Besonders alte Kinderhörspiele. Gerade hör ich die Tintenwelt Hörbücher Empfehlen kann ich auch dasHörspielvon Daisy Blau: „Marianne, oder eine Frau aus Karlshorst“
Jugendhäuser: Ich spiele manchmal in Jugendhäusern.Freue mich immer zu sehen, dass es selbstverwaltete Strukturen und Engagement auch in kleineren Orten gibt.
Glücksmomente: Zeit mit Freund_innen, bei denen ich mich evrstanden fühle
-mit Schokolade im Gemeinschaftswagen, wenn der Ofen brennt zu Musik von Leonhard Cohen
-unterwegs sein, tolle Menschen kennenlernen und Straßenmusik machen
Schlafplätze: Naja, wie beschrieben. Habe doofe Erfahrungen mit Gruppenschlafräumen gemacht, besonders wenn ich sie mir mit betrunkenen Cis-Typen-Bands geteilt hab. Aber meistens habe ichs ehr nette Gastgeber_innen, die sehr lieb sind. So lerne ich auch nette Leute und Orte kennen.
Free MP3: Voll gut
Straßenmusik: Oft macht es mir Spaß, oft ist es aber auch nervig. Besonders wenn ich gerade besonders auf die zusätzliche Kohle angewiesen bin.
Hanfaktivisten: Ich selbst kiffe nicht und trinke auch kein Alk. Aber ich finds doof wenn Leute wegen Drogen kriminalisiert werden.
E.L.:Gibt es von dir auch Gitarrennoten, eines Liedes, für Leute, die mal ein tolles Lied von dir nachspielen wollen?
Faulenz*A: Jaaah:-) Es gibt ein Liederbuch mit allen Texten und Akkorden.
E.L.:Wegen der großen Nachfrage wird es das E.L. zwar weiter als Papierfanzine geben, aber auch in Zukunft (hoffentlich) zum gratis runterladen, für jeden greifbar. Ne gute Idee für dich, oder sollte die Liederkultur besser weiter im Halbdunkel der Öffentlichkeit stattfinden?
Faulenz*A: Gratis runterladen find ich gut!
E.L.:Gibt es so die eine oder andere Frage von deiner Seite ans E.L.?
Faulenz*A: Ja. Habt ihr vor in Zukunft geschlechtergerechte Sprache zu achten? Zum Beispiel statt „Künstler“ > „Künstler_in“ So fühlen sich nicht nur Männer angesprochen, sondern auch Frauen und durch das „_“ auch Menschen, die sich weder als Mann, noch als Frau definieren. Das find ich voll wichtig!
E.L.:Eine große Aufgabe, welche mir als Herausgeber des E.L. aufgedrückt wurde, ist dem Leser einen objektiven auf die Liedermacher, Singer-Songwriter-Welt zu geben. Besonders schwer für mich ist das Tauziehen zwischen der Antifa-Einstellung („Deutschland muss sterben“) und der faschistischen („würdigt euer deutsches Erbe und vernichtet die Feinde der Kultur“). Klammere deshalb sämtliche Interpreten im E.L. aus welche geistiges Gift an ihre Hörer aussenden. Wekche ausführliche Aufklärung fällt dir zu diesem Thema für unseren Leser ein?
Faulenz*A: Ich wünsche mir eine Welt, in der es keine Grenzen und keine Staaten und keinen Kapitalismus mehr gibt. Eine Welt in der kein Mensch illegalisiert wird, weil er geflüchtet ist. Deutschland finde ich voll scheiße, weil es Menschen abschiebt, nicht einwandern lässt und für Geflüchtete den Aufenthalt unerträglich macht. Solidarität mit den Refugee-Protesten! Und Faschismus ist keine Enstellung, sondern ein Verbrechen!
E.L.:Na dann will ich dir kreativen Freigeist nicht zu viel von deiner kostbaren Zeit rauben. Noch ein Abschiedswörtchen an uns übrig?
Faulenz*A: Vielen Dank für dein Interesse an meiner Musik und für die Mühe, die du dir mit dem Interview machst. Danke auch an alle Leser_innen fürs Lesen