Wunderwesen Review

Hier eine Tolle Rezension über mein neues Album und ein anderer Artikel indem ich erwähnt werde:-). Danke Doctorellas!

„Die Zivilgesellschaft und wir sagen: DANKE, FAULENZA!!! Du derzeit größter unentdeckter Popstar Deutschlands.

von Kerstin und Sandra

Heute Nacht, da hab ich einen Traum gehabt, und an den denk ich grade gern/ja, ich war Teil von einer coolen Gruppe aus queeren Gangstern, die sich wehrn/und wir hatten da so`n paar Adressen/und dann ging es los im queeren Gangster-Style/das war ein schöner Traum/und bei dem blieben keine Fenster heil.” (FaulenzA, Queere Gangster)
FaulenzA hat ein neues Album. Es heißt “Wunderwesen” und ist – nach den ebenfalls grandiosen Alben “Mäuseanarchy”, “Einhornrap” und “Glitzerrebellion” – schon ihr viertes! Wow! Und es sind 20 Tracks drauf, und jeder ist stark. Alle Platten sind erhältlich über wonderful SPRINGSTOFF!

“Wunderwesen” ist vor allem: eines der bestgetexteten deutschsprachigen Alben aller Zeiten! Und das ist keine Übertreibung, sondern nichts als die pure Wahrheit. Sandra, die Spezialistin für Reimarten, ist aus dem Häuschen. Sie sagt, sie müsse mal einen Tag Pause machen, sie träumt schon alles in Reimen, weil sie den ganzen Tag FaulenzA hört. Endlich mal wieder ein musikalisches Vorbild, wenn man alle erreicht hat, die man toll fand; etwas Neues woran man wachsen und sich orientieren kann. Diese Lebendigkeit und diese neue Sprache, verpackt in Stabreime, mehrsilbige Reime, Binnenreim, Schlagreim, Kettenreim, Assonanzen – alles in rasender Geschwindigkeit dargeboten, alles drin. Ja, FaulenzA, die eigentlich von Songwriter, Folk und Punk kommt, hat ihre Hip Hop Lektion so dermaßen gelernt. Sie ist jetzt Hip Hop. Ein Wahnsinns-Geniestreich, und das noch dazu mit dieser tollen Message, für alle Außenseiter*innen, und solche, die es werden oder nicht mehr länger bleiben wollen.

Von FaulenzA lernen heißt: zu sich selber zu stehen! Dabei klingt bei FaulenzA die deutsche Sprache so rund wie ihr Auftreten die schönsten Ambivalenzen zelebriert. Ich, Kerstin, höre überall nur runde Reime und freue mich über den Widerspruch der runden Reime zu der absoluten, radikalen, richtigen Gesellschaftskritik (nein, in dieser Gesellschaft läuft es ja gerade nicht rund für die Protagonistin der Songs, die aus der Perspektive ihrer trans*Identität berichtet). Dabei aber immer auch auf ihrer Individualität besteht, alle Drehungen und Wendungen von Über-diskriminierte-Identiäten-Singen drauf hat! “Scheiße niemand interessiert meine Persönlichkeit, reduziert werden raubt mir die Fröhlichkeit, mich als Musikerin findest du sicher schlimm, und das ist vielleicht der Grund warum ich unsicher bin. Alter, warum siehst du nicht meine Persönlichkeit, ich bin nicht dein Klischee, daran gewöhn dich gleich, nicht dein Fick-Objekt, nicht die Quoten-Transe, weil ich nur mit anderen Exoten tanze.” (aus: Reclaim the stage).
Sooo hochmusikalisch, allein wie sie es schafft, diese Rap-Tracks so hochmelodiös zu halten. FaulenzA kann nicht nur rappen, singen und catchy Songs schreiben; sie spielt auch Gitarre (kann sogar zupfen!) und Akkordeon. Was für eine geile Mischung! Als wäre Liedermacher, Punk und HipHop eins bzw viele. Die Beats von LeijiOne sind übrigens auch der Hammer; und auch die Gast-Raps von Finna in der megakickenden Hymne “Party Diva auf Antidepressiva”, sowie von Carmel Zoum, Lady Lazy, Riva u.a. – wir könnten noch ewig weiterschwärmen.

Allein wie sie ihre Verliebtheit zu “Herr Schmidt aus dem Aldi” besingt, dass der “Süße” überhaupt “Herr Schmidt” heißt, das ist schon so gr0ß, wie überhaupt all die schmissigen und tiefgreifenden Geschichten zwischen “Punkrock auf dem Fahrradtaxi”, linker Szene und Arztbesuchen für die berüchtigten Gutachten, die beweisen sollen, dass eine trans*Person auch trans* ist. Lieder über “Sehnsucht nach Zärtlichkeit”, wie man sie seit Rio Reiser nicht mehr gehört hat. Mal so eben werden nebenbei kitschige Fernsehserien gedroppt (“Sissy 1-3, die gucke ich nur heimlich”), am “Eisberg” von der Titanic entlang gefahren und “Bullenschweine” gedisst. Dieses Album ist ein Blue-Print des Speach der queeren linken Szene der 10er Jahre, also so, wie in dieser Szene im besten Falle gedacht wurde oder wird. (Eben in der Wärme-Version). Wenn man später einmal auf dieses Jahrzehnt zurückblicken will, findet man hier alles, was das Herz begehrt. Ein sogenanntes Meisterinnenwerk. Etwas, woran sich noch zukünftige Generationen orientieren können. FaulenzA ist Ton, Steine, Scherben so wie Sookee Lokomotive Kreuzberg ist, 50 Jahre nach 68, glaubt es uns.

Bei aller Einsamkeit, Verletzlichkeit und Selbstbezüglichkeit ist das Album ein Wunderwerk der Verbundenheit, und Kollektivität mit anderen; mit den “Mitbewohnis” und ehemaligen Bauwagenplatzbewohner*innen, mit den “Freundinnen und Freunden”, Berliner queer-feministischer Szene usw. Der Hippie-Touch und die Nähe zu einem Sozialarbeiter*innentum, das noch radikal und wichtig ist (und das die allerneuesten Erkenntnisse aus der Kuschelpädagogik noch nicht in autoritär-verbrämter, sondern in akut begeisterter Weise in die Welt trägt): ein Leben aus “Zauber und Romantik”, aus Schikanen und Gegenwehr, in der es “für eine glückliche Kindheit nie zu spät” ist. Popsongjuwelen erster Güte!

Die Sache mit dem “Ton, Steine, Scherben -Vergleich”

FaulenzA hat mehr mit Ton, Steine, Scherben, den Säulenheiligen der deutschen Musikszene (die ja auch zu Lebzeiten von eben dieser Musikszene brutal verkannt wurde) zu tun, als all diese nervigen Jungsbands pro Saison, die sich auf Rio Reiser beziehen und deswegen gehypt werden (aktuelles Beispiel die fürchterlichen “Swutscher”, die nicht Aufstand, sondern Nostalgie sind, die sich nicht mit den umstrittenen Sprüchen aus der gegenwärtigen linken Szene “beschmutzen”, sondern mit irgendeiner Folklore von 68 hantieren), ohne Scherbens sowohl schwulen als auch linksaktivistischen Protestzusammenhang überhaupt noch zu erkennen. Unnötig zu erwähnen, dass aus einem so saturierten, von unreflektierten Cis-Privilegien nur so strotzenden, pseudosensiblen Soft-Macker-Rockscheiß-Leben dann auch keine emphatischen und berührenden, flehenden und umarmenden, schüchternen und mutigen Liebeslieder mehr rauskommen können, wie FaulenzA sie am laufenden Band raushaut. Als Rio Reiser so gefühlt, gelebt und getextet hat (nachzulesen z.B. in den Tagebucheinträgen der Biographie”Halt dich an deiner Liebe fest” seines Bruders Gert Möbius), stand “Homosexualität” in Schland noch unter Strafe, vielleicht ein bisschen vergleichbar, zumindest von Cis-aus betrachtet, mit dem Gefühl in der heutigen Welt eine trans*Frau zu sein. Natürlich kann man das nicht gleichsetzen, eh klar.

Aber ein Mythos, der nervt, in der Pop-Rezeption ist ja: die Kritiker*innen vergleichen immerzu nur Musik von Frauen mit Musik von Frauen und Musik von Männern mit Musik von Männern. Auf diese Weise handelt Musikkritik dann meistens von männlichen Klassikern und weiblichen Schrägis. Und für trans*Musikerinnen interessieren sie sich nur wenn diese auf keinen Fall aus Deutschland kommen. Denn dann kann man sie so schön exotisieren. Dann sind die noch weiter weg als eh schon 🙂“
http://www.ichbraucheeinegenie.de/2018/12/26/unsere-wunderwesen-in-diesem-winter-faulenza-albumreview-elke-brauweiler-vorschau/

http://www.ichbraucheeinegenie.de/2018/12/12/der-sommer-der-nie-endet/


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