Interview in TAZ*die tageszeitung 8.3.17

Ich freue mich sehr dass ich für dieses Interview im Rahmen der ‚frauentaz‘ Sonderseiten gefragt wurde. In diesem Beitrag zum rauen*kampftag möchte die taz der Diversität der feministischen Szene Raum geben und unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen lassen. Vielen Dank an Marlene Halser (Protokoll) und an taz! Und an euch fürs lesen :-)

Dass Rechtspopulist_innen überall stärker werden, macht mir große Sorgen. Sie verbreiten Rassismus, Sexismus und Hass auf alles, was
anders ist. Trans*feindliche und homo-feindliche Positionen werden immer selbstbewusster vertreten. Den Hass, der so angestachelt wird, kriege ich andauernd auf der Straße mit. Oft erkennen Leute, dass ich keine cis*Frau bin und lesen mich als trans*Frau, schwulen Mann und_oder Tunte. So passiert es häufig, dass mir Menschen etwas Unfreundliches hinterher rufen, sich über mich lustig machen. Auch bin ich schon mehrfach bedroht oder begrapscht worden. Sowas macht mich jedes Mal wieder völlig fertig. Ähnliche Erfahrungen machen viele diskriminierte Personen und ich nehme in der trans*Community und der
Anti-Rassismus-Bewegung viel Angst vor der Zukunft war.

Als trans*Frau passe ich nicht in Geschlechterrollenerwartungen oder Körpernormen. Die feministische Szene bietet mir da eine Community, die mir Halt gibt.
Hier kann ich mich weiterentwickeln und habe viel über Unterdrückungsmechanismen und andere Diskriminierungsformen, aber auch über Privilegien gelernt. Immer mehr Feminist_innen haben auch auf dem Schirm, dass es trans*Frauen gibt und dass diese ebenso von Sexismus und Patriarchat betroffen sind. Leider ist es oft aber immer noch so, dass ich mich als trans*Frau nicht mitgedacht fühle. Gerade dann, wenn
Körperlichkeit thematisiert wird.

Oft wird davon ausgegangen, dass alle Frauen eine Vulva und Brüste hätten und menstruieren. Auf die Weise wird auch eine feministische Gemeinschaft konstruiert. ‚Wer da nicht dazugehört ist klar. Auf Events gibt es „Vulva-Kuscheltier basteln“, eine Ausstellung von Menstruationsblut-Kunst und Workshops über „Frauenkörper“, die nur cis*Körper zeigen. Empowerment zum Thema Körperlichkeit finde ich sehr wichtig, auch die Thematisierung von Menstruation. Das Ziel von feministischem Empowerment ist aber meiner Meinung nach verfehlt, wenn dadurch Weiblichkeiten diskriminiert
werden, die nicht der Norm entsprechen. Da finde ich es wichtig, zu sehen, dass es Frauen mit unterschiedlichen Körpern gibt. Und Man muss
nicht-binäre trans*Personen und inter*Menschen mitdenken. Ich würde mir wünschen, dass trans*Weiblichkeiten als selbstverständlicher Teil des
Feminismus akzeptiert werden.

Damit eine freie Gesellschaft entsteht und vor rechten Einflüssen geschützt bleibt, müssen wir miteinander reden und uns gegenseitig
zuhören. Wir müssen es wagen, Diskriminierungen anzusprechen, diese in Solidarität miteinander kritisieren, voneinander lernen und uns die
eigenen Privilegien bewusst machen. Lasst uns Schönes kreieren, über Träume sprechen und einander gut tun!


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