Meine neue Kolumne im SIEGESSÄULE Magazin (Januar 20)

Über die Frage: Haben manche trans*Weiblichkeiten durch männlcihe Sozialisation dominantes Verhalten gelertn und wie kann man das dann Thematisieren?

Ich bin Feministin. Und damit meine ich nicht nur, dass ich mich gegen Diskriminierung von Frauen stelle, sondern gegen Unterdrückung überhaupt. Antirassistische Kämpfe gehören für mich genauso dazu, wie das Einbeziehen von queeren Themen. Neulich hielt ich im Rahmen eines Kongresses einen Vortrag über Ausschlüsse von trans* Weiblichkeiten im Feminismus und im Vorfeld merkte jemand an, dass manche trans* Frauen oder nicht binären Menschen ein bestimmtes dominantes Verhalten hätten. Dies wurde mit einer männlichen Sozialistation in Zusammenhang gebracht. Mit männlichen Privilegien, die eine trans* weibliche Person mal hatte und nun nicht mehr hat. Die Frage war, wie sie diese Kritik einer dominanten trans*weiblichen Person mitteilen kann ohne ihr zu Nahe zu treten.
Tatschlich berührt die Frage Themen, die für viele transweibliche und nicht binäre Personen schmerzvolle Erinnerungen wachrufen können.
Auch für mich persönlich ist das Thema schwierig, dennoch möchte ich ihm nochmal Raum geben und mich dabei auf Transweiblichkeiten fokussieren.
Also: Hatten trans* Frauen tatsächlich mal männliche Privilegien? Ich würde das klar mit nein beantworten. Ich glaube der Begriff „männliche Privilegien“ trifft nicht die Lebensrealität von uns trans* Weiblichkeiten. Auch nicht vor unserem Coming-out. Es gibt sicher trans* Frauen, die in anderer Weise privilegiert aufgewachsen sind und dadurch ein dominantes Verhalten erlernt haben. Oder andere, die selbiges einst gebraucht haben, um Mobbing oder sexualisierter Gewalt zu überstehen. Der Hintergrund wäre in diesen Fällen also nicht Privilegiertheit, sondern Unterdrückung. Wenn eine Trans Frau vor der Transition scheinbar einen mänlichen Vorteil hat gibt es meist so viele Umstände drum herum: Diskriminierung von aussen, Selbsthass und Unsicherheit von innen.
Stellen wir uns vor Susi, ein noch ungeoutetes trans* Mädchen und Kai, ein cis Junge, werden beide dazu ermutigt sich für echnik zu begeistern. „Du kannst das, weil du ein Junge bist“, hören sie von überall.
Während es Kai ermutigt fühlt Susi sich durch das immer wieder an sie herangetragene ‚Weil du ein Junge bist‘ . Sie lernt: ‚Du bist falsch‘. Vielleicht verspührt sie aber tatsächlich ein Interesse an Technik und vielleicht denkt sie deshalb: ‚Oh nein! Haben die recht, bin ich doch ein Junge?‘. Um das zu überwinden hat sie einen ganz anderen Empowermentprozess nötig als Kai.
Wie kann man also dominantes Verhalten einer trans* Frau gegenüber ansprechen? Um das zu beantworten, würde ich die Frage allgemeiner stellen: Wie kann man damit umgehen, wenn sich generell jemand dominant oder auf eine andere Art unangenehm verhält? Wie würde ich mit einer Freundin darüber reden, die nicht transweiblich ist? Ich kann mir vorstellen, dass das gleiche Vorgehen auch bei der Freundin passt, die transweiblich oder nicht binär ist. Miteinander reden und offen sein für Kritik, versuchen, die jeweils andere Sichtweise zu sehen, Wünsche zu äußern. Vielleicht auch Konsequenzen für das eigene Handeln ziehen. Das klingt vielleicht nach Phrasen, aber ich merke so oft wie schwer sie eigentlich umzusetzen sind. Vielleicht wird es mit jedem Versuch leichter?

Neuer Workshop: Mad Pride

Die Musikerin FaulenzA hat viele Erfahrungen in Psychiatrien und ähnlichen Einrichutngen machen müssen. Gute und schlechte. Sie möchte das solche Geschichten kein Tabu mehr sind und dass man sich nicht schämen muss offen darüber zu reden. Hierzu läd sie euch gerne ein: ‚verrückt‘ oder nicht, psychiatrieerfahren oder nicht und so Fehl am Platz, komisch, oder Selbstbewusst ihr euch gerade fühlen mögt! Themen können sein: Erfahrungsaustausch, Mad Empowerment und Selfcare, Menschen in Krisen unterstützen, Psychiatriekritik und Alternativen.
1 ½ Stunden. Anfragen unter: faulenza.booking@riseup.net

Erste Rezension von meinem neuen Buch!

Rezension von ‚Reclaim the Stage – Meine Lieder ,Gedichte und Geschichten‘
https://biotechpunk.de/2019/12/faulenza-reclaim-the-stage-buch/
07.01.2020

‚Eindruck : Auf 256 Seiten kommt man doch glatt ohne Bilder aus.
Aber das braucht es gar nicht, weil allein die persönlich wichtig bunte Liedermischung aus 14 Jahren sorgt für lesenswerten Lesestoff, der Anreiz gibt sich musikalische Verstärkung zu holen, um die Zeilen zum klingen zu bringen !
Was natürlich nicht alles ist, weil auch manche Lieder mit wichtigen Vorgeschichten ausgestattet sind.
Es gibt auch einen schönen Abstecher in Faulenzas “ Meine Utopie “.
Oder startet auch mit Erzählabschnitte von der Hörspielgeschichte “ Inselgnome auf der Walz “, etwas völlig neues.
Auch zu dieser Geschichte gibt es schon erste Liedtexte !

Also eine Schöne runde Unterhaltungssache, die nicht nur Musiker, oder Faulenza, Freunde ansprechen dürfte !
Anspruchsvolle Unterhaltung um seinen eigenen Horizont zu erweitern ist garantiert !

Ich persönlich finde es bedauerlich das es hier keine Erwähnung vom Straßenmusikprojekt
“ Müll der letzten Tage “ gibt !
Aber dies ist sicher eine andere Geschichte, welche ein anderes mal dran ist!‘

TOLLER ARTIKEL ua über mich auf ICH BRAUCHE EINE GENIE

http://www.ichbraucheeinegenie.de/2019/12/17/abschied-von-sookee-wer-sind-ihre-nachfolgerinnen/
Abschied von Sookee, wer sind ihre Nachfolgerinnen im Rap?
17. Dezember 2019 Sandra GretherEin paar Takte Wahrheit (über Frauen* im Pop)
von Sandra

Sookee beendet ihre Karriere als Rapperin, sie hat keinen Bock mehr als “Sookee” aufzutreten und Platten zu machen. Sie verabschiedet sich mit einer Abschiedstour von der (queer-feministischen) Bühne, und Julia Lorenz analysierte gestern treffend in der taz, wer denn ihre Nachfolgerinnen sein könnten/sind, auf eben dieser Bühne:

„Sie wolle sich nicht mehr einer Industrie zur Verfügung stellen, die ihre Antagonistin braucht”, sagt Sookee im Interview mit dem Deutschlandfunk – „und ich habe kein Interesse mehr daran, mich irgendwelchen Bausas, GZUZs und sonst irgendwelchen durchgeknallten Turbokapitalisten, die auch nur Spielbälle im Spiel anderer Turbokapitalisten sind, mit meinen Energien zur Verfügung zu stellen.“

Ein Problem, dem sich auch andere Kolleginnen stellen müssen – wenn sie sich überhaupt in der Antagonistinnen-Rolle sehen. Mit Künstlerinnen wie Hayiti, Loredana, Shirin David und den Ex-SXTN-Mitgliedern Juju und Nura sind zwar aktuell viele Künstlerinnen im Rap erfolgreich; Sookees ästhetischen und inhaltlichen Ansatz verfolgen alle Genannten nicht. In ihrer jungen Tradition stehen eher die Musikerin, Autorin und trans Aktivistin FaulenzA oder die Rapperin Lena Stoehrfaktor, die schon ähnlich lange wie Sookee im Geschäft ist.”

Gut beobachtet! Die beiden Rapperinnen also, die wir auch auf diesem Blog und auf unseren Veranstaltungsreihen schon oft vorgestellt und gefeiert haben. Und das wäre doch immerhin mehr als nur ein Trostpflaster: Sookee geht und hinterlässt die Bühne für FaulenzA und die Straßenrapperin Lena Stoehrfaktor… die müssen ja auch nicht hundertprozentig in ihre „Fußstapfen“ treten, weil die ja auch schon ihre eigenen Fußabdrücke, wie man so schön sagt, hinterlassen haben. Aber es ist wahr: nur weil female* Acts wie Hayiti oder Nura im Rap erfolgreich sind, bedeutet das ja nicht, dass sie es mit der präzisen gesellschaftskritischen Wut und dem anti-kapitalistischen, feministischen Aufklärungsgestus von Sookee aufnehmen können.

Das können wohl wirklich nur FaulenzA und Lena Stoehrfaktor – und seit Neuestem könnte man vielleicht auch noch Babsi Tollwut dazu zählen. Die hat zwar noch nicht so viele Alben veröffentlicht wie Faulenza und Lena, aber ihr Debut-Album „Hip Hop is am Arsch“ läuft schon mal voll gut rein und gibt einem das Gefühl, dass ein neuer Stern am queer-feministischen Hip Hop Himmel erschienen ist.

Das Album gibt’s schon seit Oktober, wir werden es demnächst hier besprechen. Hier schon mal ein ein Auszug aus dem Titeltrack: (Ich hoffe ich hab alles richtig zitiert, habe es beim Hören mitgeschrieben:)

„Hip Hop ist am Arsch, wenn ich mein Album droppe, weil hier alle so fake sind, dass ich mit Ehrlichkeit schocke. Man muss ganz tief sinken, um an den Punkt zu gelangen, so richtig am Arsch sein, um von vorne anzufangen.“

Und weiter: „Hip Hop ist am Arsch. Es ist ohne Gehalt. Wortgerüste, Koks und Brüste und reale Gewalt. Nen Haufen Männer mit Komplexen und beschissenen Texten, vergewaltigen verbal während die Tracks mich nur verletzen.“ Und: „Und es wird trotzdem Frühling, obwohl da eine Lücke ist.“

Das bringt uns elegant zum Thema Sookee zurück:

Eine Lücke, die, wie gesagt, auch FaulenzA füllen kann, oder Lena Stoehrfaktor, die gerade neue Songs mit ihrer Punk-Band, dem Rattenkabinett, schreibt. Man munkelt sogar, dass deren nächstes Album vielleicht bei „Bohemian Strawberry Records“ erscheinen soll, was uns natürlich die allergrößte Ehre wäre.

Es geht also weiter – und man möchte so ganz altmodisch 68er-Links rufen: Schafft 1,2,3,4 – viele Antagonistinnen! Dann muss auch nicht mehr eine alleine den Arschlöchern mit ihren Energien zur Verfügung stehen. Das wussten schließlich schon Ton Steine Scherben und Rio Reiser ( dem, fun fact, Babsi Tollwut auch gerade eine Hymne „Rio“ gewidmet hat): „Allein machen sie dich ein!”

Neue Single von Msoke und mir über Rassismus und Solidarität!



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